Legation Quarter
An prominentester Lage in Peking, und dennoch still und versteckt liegt das “Legation Quarter”. Eine “Legation” beschreibt die einer diplomatische Vertretung zugehoerigen Bureaus, die in der bureaukratischen Rangfolge angesiedelt unterhalb einer Botschaft rangieren. Im Legation Quarter in Peking, waren also demzufolge zwischen 1861 und 1959 verschiedene auslaendische Bureaus angesiedelt (so steht's in der Wikipedia). Dies kleine Viertel, am Sued-Oestlichen Eck des Platz des Himmlischen Friedens gelegen, kann auf eine bunte Vergangenheit zurueckblicken. Wer den etwas langatmigen Film “55 Tage in Peking” mit Ava Gardener kennt, kann sich von diesem Viertel ein Bild machen.
Ein in Peking recht bekannter Entrepreneur, der Herr Handel Lee, bekannt durch sein "Courtyard Restaurant", und “Three On The Bund” in Shanghai, stand hinter dem neuen Konzept dieses Viertels. Er und ein paar seiner Kumpels haben wohl ein bisschen Geld in die Hand genommen, und die Aermel hochgekrempelt. Wir sind letztens mal hingefahren, und haben uns die Sache angesehen. Schoen ist es, mitten in der Stadt, so weit mitten drin, dass man da zufaellig nicht hinkommt. Eine massive Wand schirmt es zur Strasse hin ab, und sobald man drinnen ist, betritt man eine andere Welt. Derzeit befindet sich die Sache noch im Aufbau, einige der alten Gebaeude sind noch leer und warten auf einen finanzkraeftigen Nutzer. In anderen Gebaeuden kann man sich schon den ein oder anderen Drink goennen, oder ordentlich Speisen. Wir untersuchten eigehend ein japanisches Restaurant, “Shiro Matsu”, ein spanisches Restaurant, “Agua” und die “Hex Bar” im Erdgeschoss. Darueber gab es noch die “Fez Bar”, die noch untersucht werden muss. Schoen ist es! Und selten, weil die hier in der Stadt den meisten alten Kram schon abgerissen haben.
Fruehlingsfest - Erste Hochrechnungen
Die ersten Zahlen erscheinen in den Zeitungen, wieviele der Chinesen dieses jahr ueber das Fruehlingsfest verreisen werden. Das Fruehlingsfest ist eines der wichtigsten Familienfeste in China, jeder der es irgendwie kann, kehrt nach Hause in seine alte Heimat zurueck, um im Kreis der Familie das neue Chinesische Jahr zu beginnen. So erwartet man am Wochenende um den 24. 25. und 26. Januar, wenn die Reisewelle ihren Hoehepunkt erreicht folgendes:
Ingesamt werden 188 Millionen Menschen in China waehrend dieser Feiertage reisen. Es wird taeglich mit bis zu 4.7 Millionen bahnreisenden Menschen gerechnet.
Die Reiseflut begann am 11. Januar, in den ersten vier Tagen reisten chinaweit etwa 4.538 Millionen Menschen pro Tag.
Die Bahn setzt 2 208 zusetzliche Zuege ein. Um die Bahn dem Ansturm gemaess auszurichten, sind 30 000 km neue Bahnstrecke geplant, mit einem Investitionsvolumen von etwa 220 Miliarden Euro.
Bis 2012 sollen dann 110 000 km Bahnstrecke erfuegbar sein - das Nadeloehr weiterhin ist aber der Ticketverkauf. Da klemmt es. Es gibt nur bestimmte Ausgabestellen, und Vorbestellungen sind nicht moeglich. Man muss dann schon hingehen, sich anstellen und das Beste hoffen - dies fuehrt jedesmal zu grossen Herausforderungen an die menschliche Geduld.
(Zahlen und so: People's Daily Online vom 16. Januar 2009)
2 Jahre vor Augen ...
Wer findet die 7 Unterschiede im Bild?
das Linke ist von Juni 2006, das Rechte von Heut morgen.
Wie Bitte? Panzer??
Fussball-Restaurant
Kuerzlich sind wir vollkommen zufaellig an einem Restaurant vorbeigekommen, was sich “Football Restaurant” nennt. Es ist irgendwo im Sueden des Stadtzentrums gelegen, wo ich zu tun hatte. Natuerlich sind wir da zum Abendessen reingegangen, bei dem Namen musste es mal ausprobiert werden. Ein herziger Laden, der sich aus irgendeinem Grund total und vollkommen dem Fussball verschrieben hat. Die Bar wird geziert von einem echt ledernen uebergrossen Fussball, ueberall haengen Bilder von Menschen herum, die sogar mir vage bekannt vorkommen, den Herrn Beckenbauer erkenne sogar ich. Das Restaurant war irgendwie liebevoll gemacht, Essen war gut, die haben diesen wunderbaren, scharfen Frosch-Eintopf und die Kellner tragen Fussballtrikots, die ein Kenner der Materie sicher einordnen koennte. Sehr empfehlenswert - nur mit einer Adresse kann ich nicht aufwarten. Ich finde es aber wieder, es ist in der Naehe des SOGO-Kaufhauses, gleich hinter dem Walt-Mart, in Chongwenmen.




Buchbesprechung: Herr Wu lacht!
“Ich reise nicht. Ich werde gereist.” - so schreibt der Autor Martin Brandes in seinem kuerzlich erschienenen Werk. Die Geschichten in diesem sehr unterhaltsamen Buch basieren auf seinen tatsaechlichen Erfahrung in China, sind aber nicht nur darauf beschraenkt. Der Autor lebt seit vielen Jahren in China, und teilt immer noch nicht nicht das allgemeine Verzuecken der Chinesen, wenn’s ums Reisen geht. Wenn hierzulande naemlich einer eine Reise tut, dann kommt es schon mal vor, dass es am Ausflugszielort voller ist, als auf der Bahnhofstrasse am Samstag. Seine treue Begleiterin, und beste Ex-Ehefrau von allen, die ihn augenscheinlich gegen seinen Willen auf Abenteuerreisen mitzerrte, bekommt seine Meinung dazu ungefragt und froehlich mitgeteilt. Das Buch vermittelt einen historischen Ansatz woher das Reisen eigentlich herkommt und landet dann bei seinen persoenlichen Erfahrungen. Seine Geschichten sind aber nicht durchweg dem Reisen gewidmet, sondern auch dem allgemeinen taeglichen Kampf ums Ueberleben in China, zum Beispiel lebhafte Erfahrungen einer Weinverkostung, wo es was Gutes zu Essen gibt, oder wie man ein Lamm nicht zubereitet. Man spuert in diesem Buch, dass der Autor dem Essen und Trinken gegenueber eine Leidenschaft hegt, die er mit der Reiserei nicht teilt - ebenso spuert man beim Lesen, wo die Liebe zum Rotwein seine Gedanken beim Schreiben befluegelt hat.
Das Buch ist sehr anschaulich geschrieben und wird vom Autor in leicht zu verdauenden Haeppchen verabreicht - Sinnlich und leidenschaftlich. Empfehlensert!
Martin Brandes - Herr Wu lacht
Chinesische Geschichten und der Unsinn des Reisens Edition Glanz & Elend Strandgut Verlag, Fankfurt/M 2008 Limited Edition 750 Exemplare 96 Seiten 8,80 € ISBN 978-3-9812734-0-3
Hier der Link zum Verlag:
http://www.glanzundelend.de/agbbestellungen/herrwulacht.htm
Skifoan
Das neue Jahr ist nun 6 Tage alt, Zeit fuer einen Rueckblick. Wie im vorigen Artikel bereits angedeutet, waren wir in den Bergen. Skifahrn UND Spa. Morgens gings auf einen kunstbeschneiten Huegel mit 3 Abfahrten: Angehende Beginner, Beginner und Fortgeschrittene Beginner - damit war dann Schluss. Und ALLES gab’s zum ausleihen: lustige Rundum-Overalls, damit konnte gar nichts passieren, Schuhe - sogar in meiner Groesse! und Skier in allen lustigen Farben. Ich hatte Glueck, ich hatte sogar 2 verschiedenfarbige abbekommen!!
Rundum lustige Sache, mit den Kollegen einen wunderschoenen Nachmittag bei bestem Wetter zu verleben.
Hier ich vor der schwarzen Abfahrt:
Abends gings dann in der Naehe von Xiaotangshan, noerdlich von Peking in ein Riesenspa-Centrum mit Kongress Hotel und allem Schnickschnack. Die Zimmer waren sehr ordentlich. Auf das Spa war ich gefasst, solche Sachen erschrecken mich nicht mehr. Ich hatte die Vorraussicht, doch noch meine eigenen Badeschlappen und Badehose mitzunehmen, weil:
Im Spa angekommen, bekam ich einen Schluessel zu einem Kleiderschrank, der ganz hinten lag - unten im Keller liegen die Umkleidekabinen, und die waren voll. Voll mit nacktem Mensch. Der Boden war komplett bedeckt mit gebrauchten Handtuechern, Schlappen und den Hemdchen, die hier jeder kriegt, dazwischen der uebliche Kram, den man im Rinnstein findet, Kippen, Knaeul mit Unbeschreiblichem, heiss wars, feucht und mollig miefig. Und so voll, dass ich an den nackten Maennern gar nicht zu meinem Schrank durchkam. Die waren ueberall. Mein Nachbar guckte sich meine Badeschlappen an, und fragte mich, warum ich denn eigene mitgebracht haette - es liegen hier doch genug auf dem Boden rum. Ich wollte die Sache eigentlich fotographieren, aber ich wollte in der Umkleide meinen Fotoapparat nicht auspacken. Was hier niemanden kuemmert, uebrigens. Weil naemlich oben im Freizeitbereich, die meisten Besucher ihre Mobiltelefone mitgenommen hatten. Der Freizeitbereich ist im Stil einer gewaltigen Grotte gehalten, mit kleinen Heisswasserbecken, gefuellt mit allerhand: Chinesen, Telefonen, chinesischer Medizin und dazwischen heisses Wasser aus dem Untergrund. Es gab Becken mit Essig-und Kraeutersuppe, mit tibetanischen Kraeutern und alle waren randvoll mit sich begeisternd unterhaltenden Chinesen beiderseits Geschlechts, aber alle mit einer Hand ueberm Wasser, damit das Mobiltelephon nicht nass wird. Und ich mittendrin, in der tiefbraunen Bruehe, in hautengem Kontakt zu Chinesen, wobei unser gemeinsames Schicksal, naemlich hier zu sitzen, schnell dafuer sorgte, dass wir alle schnell Freunde wurden. Es wurde hier im Becken auch ausgiebig gegessen. Die haben regelrechte Pickniks veranstaltet: Mama, Papa, die Schwiegereltern und der allgegenwaertige Balg, alle stuerzen sich in die Leih-Badewaesche, Telefon in die eine Hand, Essen in Tragetaschen, Schwiegermutter in die Andere, und so gehts ins Wasserbecken. Wie eine Ostsee-Sandburg, wird auch hier gerne ein Wasserbecken von einer Familie in Beschlag genommen, wo dann alle gemuetlich durcheinanderreden, essen, pinkeln (im Fall des kleinen Balgs unter grosser Freude der Eltern...) und trinken. Freundschaften sind schnell geschlossen, und so abenteuerlich es sich auch anhoert, so entspannend ist es. Die Chinesen sind eben gern in Gesellschaft, und so ein Wochenende im Spa, das macht halt Spass. Auch mir!


