|  2008-12-29
Von Falk Kagelmacher @ 09:48 Wir haben strahlenden Himmel, es ist gerade zwischen Weihnachten und Neujahr, was in China nicht viel zu sagen hat. Hier gibt es keine Weihnachtskultur, und Neujahr wird nach dem chinesischen Kalender gefeiert, was diesmal um den 26. Januar ist.
Trotzdem verdaddeln die meisten Bureaus derzeit ihre Zeit, weil die Termine dieser ost-westlichen Feiertage so dicht beieinanderliegen, sich sozusagen bruederlich die Arme reichen, dass es sich gar nicht lohnt, zu arbeiten. Auslaendische, wie chinesische Bureaus nutzen gemeinsam die ruhige Zeit. Unterm Strich laeuft also zwischen Weihnachten und dem chinesischen Neujahr nicht viel. Bei mir im Bureau wurde wohl zu Weihnachten gearbeitet, aber nicht ernsthaft - man war halt anwesend. Ich bin heute ins Bureau, weil hier die Vorbereitungen zu unserem Betriebsausflug morgen in die Berge auf Hochtouren laufen. Wir gehen Skifahren - oder ins SPA, das sehen wir dann vor Ort. Ich nehme also die Badehose mit. Skihose, Stiefel, Badeschlappen, Handtuch und den ganzen anderen Kram kann man dort leihen.
Der morgige Tag ist also gerettet, wobei der heutige wieder sehr rustikal anfing:
Der Tag begruesste mich mit einem ungewoehnlich blauem Himmel. Der Taxifahrer stank wie ein Iltis, und begegnete dem Morgenverkehr wie einer persoenlichen Beleidigung. In lustigen Rhytmus schaukelte er mich zwischen Gasgeben und Abbremsen in eine immer noch andauerende Seekrankheit hinein. Der Mann stank dermassen, dass sich das hervorragend zu meinem schwachen Magen gesellte, ich hing also die ganze Fahrt ueber am offenen Fenster, sodass mir obendrein auch noch kalt war. Im Brueau komme ich wieder zu Kraeften, die Klimaanlage, unsere einzige Waermequelle noerdlich des Gelben Flusses, ist auf 32 Grad gestellt, und foehnt uns von oben die Augen trocken, waehrend unten die Fuesse langsam abfrieren.
Morgen geht's zum Glueck ins SPA, oder zum Skifahrn, ... egal.
2008-12-27
Von Falk Kagelmacher @ 08:34 Dies hier hat nur indirekt mit Peking zu tun, ich bin eben nur drueber gestolpert, als ich gestern was ausprobiert hatte. Ich habe mir kuerzlich in Hong Kong eines dieser multifunktionalen Mobiltelefongeraete der namhaften Marke mit dem Apfel zugelegt. iPhone G3 - in Fachkreisen genannt. Dies Ding hat eine Funktion, die es irgendwie ermoeglicht, einem zu zeigen wo man sich befindet - was wohl durchaus wichtig sein koennte, sollte man zu faul sein sich einfach mal umzusehen. Ich sass gestern im Tree bei Pizza und habe es mal versucht. Das Ding hat mich von der Erdkugel in 3d herangezoomt, bis ich auf weniger als 100 Meter genau sehen konnte, wo ich mich befinde... Ich befinde mich hier im Bild unter ebendiesem Baum, der der Kneipe den Namen gab. Spassig.

Das passt gut zu dem Artikel, auf den ich heute Morgen stiess. Hamburgs Datenschutzbeauftrager Herr Lubomierski geht in Rente. Er zog folgende Bilanz, als er ueber Datenschutz und Internet gefragt wurde: "In der Summe muss man sagen: Dem Einzelnen ist die Beherrschbarkeit seiner persönlichen Daten verloren gegangen.” (Heise Online 26.12.2008 10:28 "Sitzen in der Technikfalle" - Hamburgs Datenschützer zieht Bilanz) 2008-12-24
Von Falk Kagelmacher @ 10:45 Der Lammbraten ist im Ofen, Kerzen brennen, der Wein ist vorgekostet...
und drueben im Hochhaus von SOM, dem World Trade Centre II, da hat mein Studienkollege und Chefarchitekt Carsten V. aus San Franzisko die grosse Beleuchtung angestellt, wie ein kurzer Blick bei mir aus dem Fenster zeigt:

2008-12-21
Von Falk Kagelmacher @ 00:53 kommt die Kneipe eben zum Falk. Seit kurzem hat der Wirt vom Cafe Igosso freundlicherweise am Arbeiterstadion ein zweites “Igosso” eroeffnet. Ich finde das sehr entgegenkommend, weil sein urspruengliches Restaurant suedlich von Guomao verkehrstechnisch sehr unguenstig liegt. Das neue Igosso am Arbeiterstadion Osteingang kann ich zu Fuss in wenigen Minuten erreichen. Die Bar, wie gewohnt ausgestattet mit guten Getraenken, der Service ungewohnt professionell - ein bisschen Werbung kann hier nicht schaden. Das Igosso ist eine der ruhigen Rueckzugsorte, mit ausgewaehltem Sortiment, und gutem Essen. Ich finde ja, sowas gehoert unterstuetzt... Freitags wird hier ernsthafter Jazz vorgetragen, der Wirt zupft dann persoenlich am Kontrabass.
Ausserdem meine ich, dass das altehrwuerdige Arbeiterstadion auf diese Weise sinnvoll genutzt wird. Vor den olympischen Spielen befanden sich hier ein Hotel und ein paar Geschaefte, die Gegend brummte. Zu den Spielen wurde das Stadion renoviert - davon erholt es sich gerade so langsam. Das Leben kehrt zoegerlich Zurueck. Das Hotel kehrt auch wieder zurueck, ebenfalls generalueberholt soll es, zugeschnitten auf die nacht-aktive Klientel mit Jacuzzies neben den Betten aufwarten - noch Fragen?
2008-12-20
Von Falk Kagelmacher @ 01:21 Gestern Abend bin ich das erste mal bedroht worden, als ich ein paar Photos machte. Ich stand mir keiner Schuld bewusst am Strassenrand und beobachtete wie auf der gegenueberliegenden Strassenseite die Baustellenlaster flink und schnell rueckwaerts einparkten und mit Aushub beladen wurden. Ohne dass man es richtig merkt, hat sich naemlich hier eine Baugrube aufgetan, die so aussieht, als ob sie bis in den Abgrund der Hoelle reicht. Hier wird wohl schnell noch ein kleines Hochhaeuschen hingestellt - ohne dass es einer merkt. Das war wohl auch der Beweggrund der Torwaechter der Baustelle, die die LKWs rueckwaerts einweisen. Die dachten wohl, dass die schnell mal heimlich da ein Haus hinstellen koennen, denn als sie mich mit dem Fotoapparat rumhantieren sahen, kamen sie von 3 Seiten auf mich zugerannt. Einer der Burschen, ein baumlanger Kerl, drohte mit seinem Knueppel. Clever wie ich war, hab ich ebenso laut zurueckgegeben, er solle mir erst mal seinen Ausweis zeigen, was wie man sich denken kann nicht gerade zur Entschaerfung der Lage beigetragen hat. Die folgende Konfusion, als zwei der Burschen den dritten davon abgehalten haben, mir mit dem Knueppel den Weg zu weisen, nutzte ich fuer einen wuerdigen Abgang - langsam, mit erhobenem Haubt, aber zielsicher aus der Gefahrenzone.
2008-12-15
Von Falk Kagelmacher @ 08:09 Hier im Supermarkt ist man ganz hervorragend auf Plastik eingestellt. Kreditkarten sind wohl das groesste in Schwellenlaendern. Zumal der groesste Geldschein nur ein 100er ist, was derzeit etwa 12 Euro entspricht. Geh mal mit sowas eine Wohnung kaufen, oder ein Auto. Bislang machten die Menschen hier ihre Geschaefte lieber mit Bargeld. Hier an der Kasse, brachte ich die Dame ganz durcheinander, als ich ihre Frage, wie ich bezahlen wolle, mit “Cash” beantwortete... Genug Kartenlesegeraete hatte sie ja, aber “wie zum Teufel ging das noch mal mit dem Geld?” stand deutlich in ihrem Gesicht.
2008-12-12
Von Falk Kagelmacher @ 10:25 Hier im Sanlitun-Village steht mal eine kleine nette Sache rum:ein Weihnachtsbaum, dessen Strom fuer die Beleuchtung erst erzeugt werden muss:
Von Falk Kagelmacher @ 10:19 Gestern Abend war ich nochmal draussen, einkaufen und frische Luft schnappen. Oder wie auch immer wir das da draussen gerade nennen wollen. Luft ist sicher auch irgendwo zu finden, aber es ist dermassen staubig gerade in Peking, dass man sich beinahe mit einem Spaten durchkaempfen muss. Als ich dann auch so unterwegs war, dachte ich tatsaechlich und im Ernst, dass ich demnaechst mal irgendwo reingehen sollte, zum Luftschnappen. Ich war im Apple-Store in der Sanlitun, da liegt das Opposite House nicht weit. Am Eingang wurde ich von einer Bedienung gefragt, ob ich alleine da waere, oder ob ich zur Botschafts-Party gehoere. Ich handelte ueberraschend schnell, und bejahte. Sie gab mir eine Karte, mit den Freigetraenken und dem Menue fuer den Abend. Oben stand dann freundlicherweise auch drauf, welche Botschaft eingeladen hat, sodass ich mich also orientieren konnte: die Deutsche, naemlich, wie es der Zufall wollte. Ich kannte die Meisten, sodass es ingesamt eine nette kleine unverhoffte Ueberraschung war. Ich mischte mich unters Volk und unterhielt mich hervorragend.
Das Opposite House ist schon ein aussergewohnliches Hotel in Peking. Sehr nett entworfen. Auch die Toiletten verdienen es erwaehnt zu werden. Dort ist es weniger praktisch, als vielmehr beinahe bis zur Unkenntlichkeit durchentworfen. Nur geuebte Viel-Pinkler schaffen es, in die Schnapsbecher-grossen Pissoirs zu zielen, ohne den teuren Fussboden zu entweihen. Die Dinger haben etwa 12 cm Innendurchmesser, da muss man schon nah rantreten. Unpraktisch, aber was soll's, es passt zum Rest ...


Sie kaempfen gerade mit einem grossen Wasserschaden in der grossen Empfangshalle, aber das tut dem allgemeinen Bild keinen Abbruch. Ob das Hotel tatsaechlich auch als Hotel genutzt wird, kann man so leicht nicht erkennen. Es ist einfach ein bisschen zu teuer, aber wer weiss, vielleicht irre ich mich ja? Ich glaube das Zimmer kostet so ab 300 Euro die Nacht - aufwaerts. Die verschiedenen Bars und Clubs im Untergeschoss, sowie das Restaurant und die Bar oben sind jedenfalls gut besucht. Gegen spaeter fuellte sich die Bar, es war wohl Gay-Night gestern, es wurde richtig voll und gemuetlich. Nicht uebel, und es macht Spass sich das Hin und Wieder mal anzusehen. Und draussen stand einer dieser schicken Maseratis rum - ich glaube die heissen “Quadroporte” - Viertuerer. Sagt doch alles zum Auto...

The Opposite House - San Li Tun.
2008-12-06
Von Falk Kagelmacher @ 02:03 Hier in China wird nicht lange rumgefackelt, wenn es darum geht, die Arbeit und das Privatleben zu verbinden. Im Windfang dieses Friseurs hat sich jemand ein ziemlich gemuetliches Nachtlager eingerichtet. Das Ganze erfuellt gleich noch einen zusaetzlichen Zweck: man spart sich ein stabiles Tuerschloss oder gar einen Wachmann... nur der Heizstrahler sieht gefaehrlich aus.
2008-12-02
Von Falk Kagelmacher @ 14:26 Peking ist nach einem sehr strikten rechtwinkligem Raster aufgebaut. Seitdem die Stadt das letzte Mal vor etwa 850 Jahren erfolgreich abgebrannt wurde, hat die Nord-Sued Ausrichtung das Stadtbild gepraegt. Das hat dem damaligen Kaiser irgendwie gefallen, man sieht wo das Zentrum ist, und dueberhaubt macht es die Orientierung in der Stadt ziemlich einfach, man findet immer irgendwie nach Hause. Aber anscheinend hat man sich hier so dran gewoehnt, dass krumme Linien die Leute nun ein bisschen nervoes machen. Wenn man sich das Luftbild von Peking ansieht, erkennt man das rechtwinklige Muster von Peking sehr genau - nur so rechts am Rand vom 2. Ring, da wo eine Strasse quer schraeg von Osten reinkommt, das stimmt was gar nicht.
In dieser Ecke hat Baumschlager und Eberle seinerzeit MOMA entworfen - ein sehr ordentliches Wohnprojekt. Steven Holl baut gerade seine Brueckenhaeuser genau auf der anderen Strassenseite. Einen Steinwurf suedlich davon ensteht gerade der neue Verkehrsknoten am Dongzhimen - mit Busterminal, U-Bahn und dem neuen Schnellzug der die Innenstadt mit dem Flughafen verbindet. Wenn man durch dieses Gebiet durchkommt, faellt einem auf, dass man es bis jetzt irgendwie nicht in den Griff bekommen hat - diese Strasse, die da so quer reinkommt, scheint den Planern reichlich Kopfschmerzen zu bereiten. Es scheint, dass diese Strasse so um die 50er Jahre gebaut wurde, um die damals oestlich der Stadt gelegenen Industriegebiete zu erschliessen. Darunter auch die Fabrikanlagen, zu denen die “Factory 798” gehoert. Als dann der Flughafen von Peking dort gebaut wurde, wurde die Strasse zum Flughafen-Expressway ausgebaut. Dort im Osten befindet sich das neue Industriezentrum und die neuen gehobenen Vorstadt-Villen. Ich finde die Gegend sehr spannend, weil man spuert, dass da so einiges aus dem Gleichgewicht ist. Man ist mitten in der Stadt, und doch weit weg. Und man hat einen guten Blick auf die neue Huette von Steven Holl.
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