Wieviel SOHO braucht die Stadt?

[Architektur + Stadt]

SOHO ist eine der groesseren Projektentwicklerfirmen in China - beruehmt auch seine Leitfigur, Herr Pan Shiyi - ein pfiffiger Geselle, medienwirksam, schell und jung. Wenn einer sodurch Peking radelt, was ja vorkommt, dann ueberkommt einen das Gefuehl, dass SOHO an jeder Strassenecke ein groesseres Gebaeude rumstehen hat. Erstmal haben die von SOHO eine sehr einpraegsame Werbestrategie - das Logo faellt auf, zum anderen stehen deren Huetten, oder Baustellen tatsaechlich ueberall rum. Und sind durch ihre Groesse kaum zu uebersehen. Mal so um die 750 000 Quadratmeter, wie bei Jianwai Soho, oder knapp 500 000 qm in Sanlitun SOHO. Heute fahre ich an einer anderen modischen Baustelle vorbei, auf der ebenfalls das allgegenwaertige SOHO Bauschild draufklebt:


Gestern Abend war ich mit Freunden zusammen essen, die oefters mit SOHO zusammenarbeiten. Die beschrieben den Erfolg seiner Projekte ganz einfach: Der Herr Pan macht gezielt in abgelegenen Regionen, Shanxi zum Beispiel, die durch Kohle viel Geld haben, fleissig Werbung. Die dort unten sitzen auf dem Geld und geben es gerne in Peking fuer eine Luxuswohnung aus. So beziffert das Pekinger Stadtplanungskommittee den Verkauf vom neuen SOHO Sanlitun folgendermassen:
In der kurzen Zeit seitdem die Wohnungen zum Verkauf frei sind (3 Monate - vom Projekt existiert bisher nur die Baugrube) wurden bereits fuer 4.35 Milliarden RMB  (~435 Millionen Euro) Wohnungen verkauft. Wohlgemerkt, es gaehnt derzeit nur die Baugrube. Nicht schlecht, was?

Der durchschnittliche qm-Preis lag dabei bei 49 000 RMB (~4900 Euro), was derzeit in Peking etwa dem doppelten vom Durchschnittspreis betraegt.

Steven Holl - MOMA BJ

[Architektur + Stadt]

Ich fahre jeden Tag dran vorbei, aber ich schreibe selten drueber... Am Nord-oestlichen Eck vom 2. Ring steht das neue Quartier, erdacht von Steven Holl. Der auftraggebende Projektentwickler hatte seinerzeit frech den Namen MOMA fuer seine Unternehmungen uebernommen - was soll man machen?

Immerhin ist der Name MOMA seitdem hier in China ziemlich bekannt...

Der Projektentwickler setzt auf durchdachte Architektur mit High-Tech Oeko-Prinzipien. Dies ist seinerzeit mit den fruehen MOMA Projekten sehr gutgegangen. Die Kollegen Baumschlager&Eberle haben bereits sehr erfolgreich fuer eben dieses Unternehmen gebaut - genau auf der anderen Strassenseite. Die Erstellungskosten waren durch sorgfaeltige Planung im Rahmen, waehrend der Verkaufspreis ueberdurchschnittlich hoch war. Die von Baumschlager&Eberle sind auch die einzigen Gebaeude, die ich je in China gesehen habe, die Fensterrollos haben.

Nun ist der Bau von Herrn Holl und seinem Team bald fertig. 200 000 Quadratmeter mit Wohnen, Bureaus, Geschaeften, Kinos und Service und was so alles dazugehoert. Die Lage ist sehr gut - es liegt genau am neuen Flughafen Expressway - es ist eines der ersten Grossprojekte das auffaellt, wenn man in die Innenstadt kommt. Auf der Firmenwebseite ist das Projekt gut dokumentiert - Link.

 

 

NLX

[Architektur + Stadt]

Nan Luo Gu Xiang - es war einmal vor 5 Jahren, da gab es neben einer kleinen, beruehmten Universitaet fuer Schauspielerei und Theater, in einer voellig unbeachteten kleinen Gasse eine kleine Bar - Pass By Bar. Weit und breit die einzige seinerzeit.

 

 

Dann wie auch sonst, wandelten sich die Zeiten, und diese kleine Gasse. Heute ist die Nan Luo Gu Xiang eine belebte Strasse, 800 Meter lang. Ich hab gerade auf deren Webseite die Strassenkarte angesehen, und ueberschlaegig 105 Bars und Geschaefte im buntem Mischmasch gezaehlt(!!). Der Mix traegt unbestritten zum Erfolg der Gasse bei. Am Wochendende gibts kaum ein durchkommen. 105 Bars und Geschaefte auf 800 Metern! Dazwischen haufenweise Menschen und obendrein noch Autos die durchwollen.
Eine kleine Interessensgruppe hat sich organisiert, eine Diskussionsplattform und ein Label gegruendet: NLGX (Webseite).

 

 

Irgendwann, bald, so bleibt zu hoffen, wird diese Gasse zur Fussgaengerstrasse. Derzeit vermischen sich Besucher und Bewohner ganz angenehm, die sitzen mit Pyjama und kleinen Hunden am Strassenrand und gehoeren einfach dazu. Es steht aber zu befuerchten, dass den Anwohnern das Treiben bald zu hektisch wird, und den Schauplatz verlassen, was schade waere. Ist ja eigentlich deren Zuhause. Also liebe Besucher, wer da mit dem Taxi hinwill, kann ruhig am oberen oder am unteren Ende aussteigen und laufen.

Das Gebiet um die NLGX weitet sich fuer die Nachtschwaermer immer mehr aus, an der Gulou Dong Da Jie (noerdliches Ende der NLGX), gibt es mehr und mehr ernstzunehmende nette Kneipen, das streckt sich in lockerer Dichte bishin zum Lamatempel, 3 km oestlich davon.

Gleich um die Ecke von der Kreuzung NLGX und Guolu Dong Da Jie steht das "Paper" vom gleichen Chef des Cafe Sambals und der Bed-Bar. Von Aussen schwer zu finden, weil ohne Fenster. Aber drinnen ist einer der findigsten Pekinger Drinkmixer am Werk. Wer seinen gepflegten Kneipengang mit hoechst ausgefallenen Drinks begleiten will, ist dort gut aufgehoben. Ist auch ruhiger dort, weil sich kaum jemand dorthin verirrt...
Wir hatten sehr nettes BBQ in einer kleinen Bar gleich um die Ecke der NLGX. Bumsvoll der Schuppen, gutes Essen, und unterhaltsam.

 

 
 
 

 

Freiwillige Helfer

[ganz alltaeglich]

 

In Peking sind zahllose freiwillige olympische Helfer am Werk. Irgendwo in der Zeitung stand eine Zahl von etwa 750 000. Die sind ueberall. Meist handelt es sich um aeltere Bewohner angrenzender Wohnbloecke. Diese sind meistens durch Nachbarschaftskommittes organisiert. Diese Kommittees haben grosszuegig T-Shirts, Armbinden und Hocker verteilt. Nun sitzen an jeder Strassenecke ein paar Leute aus der Umgebung und vertreiben sich die Zeit. Die Anzahl von Besuchern und Helfern duerfte sich etwa die Waage halten.

 

 

 

Was ist denn da Los?

[hurra!]

Ich habe von meiner Wohung einen guten Blick ueber das Arbeiterstadion, wo derzeit die Qualifizierungen im Fussball ausgetragen werden. Alles in Ordnung, sieht gut aus, Stadion ist voll, aber irgendwas stimmt da mit dem Publikum nicht - warum ist es denn so leise dort drueben? Kein Geschrei, kein Laerm, direkt beaengstigend die Sache. Man begnuegt sich mit AHHH, und OHH, wohingegen frueher jeder Ballwechsel mit einem saftigen Ausdruck aus dem Tierleben begruesst wurde. Besagter Schlachtruf beschreibt jenachdem wer den Ball hat die Vorzuege oder die Nachteile der Geschlechtsteile einer Kuh und galt als beruechtigter Schlachtruf der Pekinger Fans. Schon klar, weil es ja ein olympisches Spiel ist, und die halbe Welt zuguckt haelt man sich zurueck. Aber es fehlt die Herzlichkeit, die frueher aus 70 000 Kehlen freudig die Landwirtschaft mit ins Spiel brachte. Als das Spiel rum war, sind alle 70 000 Zuschauer ohne einen Mucks irgendwie verdunstet. Ratzfatz war das Stadion leer - Licht aus, Tuer zu. Ums Stadion war weniger los, als an einem ganz normalen Wochenende, wenn die Bars dort offen haben.

Alles ganz gesittet also, und Laermfrei. Komisch und ein bisschen Langweilig, Fussball ohne Laerm.

 

 

 

... fast fertig

[Bild der Woche]

vor einer Stunde aufgenommen:

Spiele Mittendrin

[Architektur + Stadt]

Die Spiele sind in vollem Gang... Die Eroeffung, vor allem die Sache mit dem Mann der da oben entlanggerannt ist, war doch gar nicht so uebel. Erstaunlicherweise ist es richtig ruhig in der Stadt - naja, so erstaunlich nicht, die Stadtregierung hat das schon so vorbereitet. Aber es ist uebersichtlich, und wenn man nicht unbedingt in der ersten Reihe dabei sein will, so praesentiert sich Peking gerade als ein doch recht angenehmes Pflaster. Die Strassen sind frei - einigermassen, die Luft ist deutlich besser, es ist nicht so voll... Ist beinahe wie Urlaub hier. Mein Bureau hat den Alltegsbetrieb auch runtergefahren. Eine Leserin schrieb einen Kommentar, dass ihr Bureau in den Urlaub geschickt wurde - das passierte uns leider nicht, aber die Stimmung ist doch etwas entspannter beim Arbeiten.

Viele der Bemuehungen, den Leuten hier internationale Manieren nahezulegen, waren erfolgreich ... Die Pekinger Taxifahrer strahlen geradezu. Obwohl sie mehr arbeiten, aber unterm Strich nicht mehr verdienen. Derzeit bewegen sich die Gaeste wohl lieber mit oeffentlichen Verkehrsmitteln, oder mit dem Fahrrad, und mit Kurzstrecken, die nur etwa 1 Euro kosten, verdient ein Taxifahrer nicht genug. Aber trotzdem, die Jungs strahlen, und sitzen da mit Krawatte und den neuen Hemden - alle Taxifahrer haben eine Art Uniform verschrieben bekommen. Jeder erhielt 2 Hemden in einem unbestimmten orange-beige. Mannomann, wenn ich daran denke, wie sich das Bild gewandelt hat. In meiner ersten Zeit in Peking sassen die oefters bauchfrei mit hochkekrempeltem Hemd und Kippe im Mund... nun ist alles Blitzblank... Achjahh.. frueher...

 

8.8.2008

[Brandheiss]

Der Tag der Tage. Heut abend gehts los - und ich haette wetten koennen, es ist ein blauer Tag. Aber es ist ein ganz normaler weisser Himmel. Dies hat dann nichts mit Luftverschmuztung zu tun, es ist einfach nur truebe. Und heiss und feucht.

Die Stadt ist ruhig. Viele chinesische Firmen haben heute zugemacht um ihren beschaeftigten Zeit zu geben, die Eroeffnung angemessen zu erleben. Und wie ich gestern hoere, muessen Besucher die zur Eroeffnungsveranstaltung ins Vogelnest wollen, mindestens 4 Stunden vor Beginn zum Sicherheitscheck. Diese Checkpoints befinden sich nicht in der Naehe vom Stadion, vielmehr wird man hier am Arbeiterstadion beispielsweise ueberprueft, und wird dann mit Shuttlebussen zum Stadion gefahren. Bis dann alle 91 000 Gaeste drin sind, kann das eine Weile dauern. Ich sehe mir das Alles aus sicherer Entfernung an... auf's Arbeiterstadion habe ich einen guten Blick von meinem Fenster...

 

Bild von Vorgestern: 

gestern

 

Bild von Heute: