Power Square in 751

[Architektur + Stadt]

Voriges Wochenende veranstaltete ein Freund eine kleine Party im Fabrikgelaende des 798-Art Districts. Diese Zahlen beschrieben urspruenglich die verschiedenen Produktionsstaetten auf dem Gelaende. Um genau zu sein, feierten wir also nicht in 798, sondern auf dem Power Square 751. Das ist nochmal 100 meter hinter den beruehmten Ausstellungshallen um 798. Und gut schauts aus dort. Vor der Tuer der Red-Space Galerie oeffnet sich der Power-Square, gut beplankt mit einem sehr grossen Holzdeck, umgeben von alten eindrucksvollen Industrieanlagen. Sehr grosszueging das Ganze, der Blick konnte schweifen. Und anscheinend verirren sich bisher noch kaum Menschen zum Power-Square. Sobald wir die Hauptstrasse um 798 hinter uns gelassen hatten, war die Gegend menschenleer. Der Staedtebauer und Architekt des Power-Squares war auch anwesend, ich haette mich gerne mit ihm unterhalten, aber im Partygetuemmel, beschwingt vom guten Rotwein haben wir uns aus den Augen verloren.

Gerhard Richter Ausstellung in Peking

[Kunst&Kultur]

 


 

Im National Art Museum of China, dem NAMOC wird bis Anfang Juli eine grosse Gerhard Richter Ausstellung gezeigt. Wir waren kuerzlich in Deutschland in Baden-Baden und wollten dort die Ausstellung besuchen, haben es aber wegen des zu grossen Andrangs wieder aufgegeben. Nun versuchen wir es eben hier in Peking.

Gerhard Richter NAMOC (http://www.namoc.org/)

14. Mai bis zum 2. Juli

Hutong aktuell

[Architektur + Stadt]

In Pekings traditionellen Wohnvierteln, den sogenannten Hutongs, geht es derzeit hektisch zu. Entweder werden sie kurzerhand abgerissen, oder es wird dran rumgebastelt. Fuer die kommenden olympischen Spiele reicht wohl die Zeit zum abreissen nicht mehr, sodass die Stadt hier wenigstens ein bisschen dran rumwerkelt. Nunja, es gibt auch zum Glueck Bestrebungen, ein paar dieser Hutongs zu bewahren, aber der Trend geht zum Abreissen und Neubauen. Wirtschaftlich gesehen sind diese Wohnviertel nicht lohnend, aber sozial und kulturell sind sie einfach ein wichtiger Bestandteil Pekings. Wir arbeiten im Bureau dran, dass diese Wohnviertel erstens erhalten bleiben, und zweitens sinnvoll renoviert werden.
Seit einiger Zeit werden viele dieser Wohnviertel mit Elektroheizungen ausgestattet, damit sie nicht mehr mit den kleinen Kohleoefen geheizt werden muessen. Anscheinend unterstuetzt die Stadt die Einfuehrung von Nachtspeicheroefen. Diese Massnahme soll die Luft in der Innenstadt verbessern. Die Kohle, die in den kleinen Oefen verheizt werden, enthaelt wohl so einiges an Schwefel. Tja, und so sieht es denn aus, wenn so ein kleiner Hutong mal renoviert wird...

und noch ein kleines Bildchen von so einem verwinkelten Hutong:

 

Esther Brinkmann in China

[Design]

 von Köbi Gantenbein, Chefredaktor Hochparterre, mit besten Grüssen aus der Schweiz

Esther Brinkmann in China 

Esther Brinkmann, die langjährige Leiterin der Schmuckklasse an der Genfer Kunsthochschule, lebt seit 2005 in China. Denn ihr Mann ist der Schweizer Konsul in Guangzhou, der Metropole, die einst Kanton hiess. Frau Konsulin hat selbstverständlich ihre Leidenschaft für Schmuck nicht in Genf zurückgelassen und in diesem Frühling in der Fei Gallery den Kantonesen ihr Werk vorgestellt: Arbeiten aus der Genferzeit ebenso wie ihre neuen Schmuckstücke, zum Beispiel Broschen, die belegen, wie chinesische Gespenster Esthers Atelier heimsuchen. Der Ausstellungskatalog zu «Not for Your Body only» stellt vor, wie elegant sie den Bogen von der Schweiz nach Kanton schaffte. Die Art Direktorin Michelle Yip hat die älteren Arbeiten so inszeniert, als seien sie ursprüngliches Kunstgut von Esthers neuer Heimat.

--> mehr Info unter www.feigallery.com

Berichte aus Sichuan - China Television Service

[Brandheiss]

In Peking haben wir eine junge Firma von einem deutschen, jungen Mann, Bertie genannt, gegruendet. Die bieten Servicedienstleistungen fuer verschiedene Fernsehsender an, mit Allem was dazugehoert: Filmen, editieren, und senden. CTVS - China Television Service. Das Team ist jung, stabil, professionell und immer dabei.

Bertie hat kuerzlich den ersten und einzigen privaten mobilen Sendewagen nach China gebracht und ist direkt damit mit dem Team nach Sichuan gefahren - mit Lueneburger Kennzeichen, auf die Schnelle hats nicht mehr gereicht, ein chinesisches Kennzeichen zu besorgen.

Dort sind die jetzt, und arbeiten was das Zeug haelt. Rund um die Uhr.


Hier der sehenswerte Blog mit Bildern:
http://blog.tagesschau.de/?p=1099#more-1099

Staatstrauer

[Brandheiss]

Am gestrigen Montag, genau eine Woche nach dem Erdbeben, gab es eine landesweite Schweigeminute. Genau um 14:28 Uhr ging die gesamte Belegschaft meines Bureaus vor die Tuer und stellte sich auf die Strasse. Soweit ich es ueberblicken konnte, nahmen alle daran Teil. Alle. Nicht nur mein Bureau, sondern die ganze Strasse runter. Jeder Fussgaenger blieb stehen, alle Bureaus machten kurze Pause. Saemtliche Autos hupten. Ueberall im Land gedachten die Menschen den Erdbebenopfern.

Im Fernsehen wurden auslaendische Unterhaltungsprogramme fuer eine Weile unterbrochen.

Dazu passend wurden chinesische Internetseiten seit gestern nur noch in Schwarz-Weiss dargestellt. Dies finde ich mal eine sehenswerte Aktion:

Spenden

[Brandheiss]

Gerade eins weiter unten berichtete ich ueber die Fernsehshow gestern abend. Heute entnehme ich der Presse, dass bei dieser Show 1.514 Milliarden RMB an Spenden fuer die Erdbebenopfer eingegangen sind. Ich hoffe es ist fuer die Opfer, aber ich glaube bei diesem Event kann man sich drauf verlassen, dass das Alles auch da ankommt, wo es auch hinsoll.

Summen wie 6 000 000 und 10 000 000 RMB bis zu den 50 000 000 RMB wurden hier in dieser VEranstaltung gespendet.

(600 万 entsprechen 600 0000 RMB, was derzeit immerhin knapp 600 000 Euro sind).

Trotzdem: Ueber die Diskussion ueber mangelnde Bauqualitaet vor allem in den Schulen wird nicht genuegend berichtet. Eine Reihe von Schulen hats erwischt. Und gerade die sollten stabil sein. Ziemlich viele Chinesen sind zu recht ziemlich sauer, weil sie ihr Kind in unsicher gebauten Schulen verloren, waehrend andere Gebaeude noch stehengeblieben sind. Die Leute verlangen, dass da untersucht wird, ob die Schulen den Anforderungen entsprachen. Ein Kind zu verlieren ist tragisch. Und wegen der Ein-Kind-Politik hier ist es das einzige Kind, welches die Leute verloren haben.

Erdbebenfolgen

[Brandheiss]

Vor genau einer Woche fand dies Erdbeben statt. Die Zahlen der Opfer sind himmelweit gestiegen. In China zeigt sich ein fuer mich beispielloses Bild: im Fernsehen wird auf allen Kanaelen pausenlos ueber das Beben berichtet. Aus der westlichen Presse entnehme ich, dass diese Nachrichten fuer die chinesischen Zuschauer aufbereitet worden sind, aber damit rechnet man. Worueber zum Beispiel wenig berichtet wird, ist die Bauqualitaet, vor allem oeffentlicher Gebaeude. Ein ziemlich hohe Anzahl Schulen sind zusammengestuerzt, nun werden Fragen laut, ob man beim Bau der Gebaeude nicht vielleicht haette besser aufpassen koennen. Eine Hilfstruppe aus dem Bauministerium sowie 36 Planer aus unserem Bureau sind unterwegs ins Gebiet, um sich dort umzusehen.

Was erstaunlich ist, ist diese Anteilnahme in der Bevoelkerung, die dieses Unglueck im gesamten Land hervorruft. So einig habe ich das Volk noch nie gesehen. Gestern sahen wir im Fernsehen eine abendfuellende Show zu einem Spendenaufruf. Unglaubliche Summer werden gespendet. Jeder den ich kenne fuehlt sich aufgerufen irgendetwas zu tun. Und es wird getan, Geld wird gespendet, Blut und Kleidung. Leute fahren hin und helfen...
Und noch immer gibt es Hoffnung Lebende aus den Truemmern zu bergen.

 

Erdbeben 12.Mai

[Brandheiss]
Gestern Nachmittag bebte es gewaltig in der Provinz Sichuan, etwa 1500 km sued-westlich von Peking. Von dort werden mittlerweile erschreckende Zahlen ueber die Opfer berichtet. Die direkt betroffene Hauptstadt der Region Chengdu liegt nur ein paar Kilometer neben Chongqing, wo ich gestern angerufen hatte, um mich zu erkundigen. Dort finden zur Zeit die Deutschlandwochen statt, die wegen des Bebens natuerlich unterbrochen worden sind. Auch Chongqing hat es anscheindend getroffen, aber nicht so stark wie das Zentrum. Im chinesischen Fernsehen wird natuerlich pausenlos darueber berichtet.

In Peking sind anscheindend ein paar Gebaeude evakuiert worden, Menschen retteten sich ins Freie. Ich habe von alledem nichts mitbekommen. Erst als ich nach Hause kam, sahen wir in den Nachrichten, wa da gerade passiert...

New-Towns

[Architektur + Stadt]
Ein Chinesischer Kollege hat letztes Jahr eine kleine Broschuere herausgebracht - kaum mehr als eine photokopierte Sammlung seiner Erkundungen. Darin ging es sehr deutlich und kritisch um die auswuchernde Angewohnheit chinesischer Provinzstaedte ihre eigenen New-Towns zu bauen. Aktuell fuer mich, weil ich einerseits damit beruflich zu tun habe, und anderseits, weil ich am vergangenen Wochenende eine dieser "New-Towns" besucht hatte. Wir waren in Heifei der Provinzhauptstadt von Anhui. Auch dort wird fleissig an dem neuen Stadtzentrum gebastelt. 10 Kilometer von bestehenden Stadtzentrum entfernt passiert das, was der Kollege in seiner Broschuere angemahnt hatte: Bauern verlieren ihren Grund und Boden, weil die jeweiligen Stadtregierungen sich durch Wahnsinnsprojekte profilieren muessen. Vollkommen aus dem Massstab gerissen, bauen mittelgrosse Staedte ihre ueberdimensionalisierten Verwaltungen neu auf. 8 bis 10 - spurige Strassen verbinden die riesigen Gebiete miteinander, im Zentrum liegt normalerweise ein See mit dem zentralen Verwaltungsbegaeude, Fussgaenger, oder alle die sich kein Auto leisten koennen sind angeschmiert, und haben dort in diesen Gebieten eh nix verloren. Dazu erzaehlte mir ein Kollege eine Anekdote: Einmal ging unser Premierminister Wen Jiabao nach Dongguan, im Sueden von China. Die dort unten haben sich angeblich den groessten oeffentlichen Platz in China vor die Tuer gestellt. Ich habe mir den Platz mal angesehen, die Stadt ist eine mittlere Metropole, nichts besonders grosses, aber das Verwaltungszentrum treibt einem die Traenen in die Augen. Auch die Dongguaner hatten im Nachhinein das Gefuehl es etwas uebetrieben zu haben, sodass, als der Wen Jiabao zu besuch kam, sie ihm ein Hotelzimmer mit dem Blick in die andere Richtung besorgten. Und bei der Stadtrundfahrt wurde die Strecke wohlweislich so ausgewaehlt, dass man an dem Platz erst gar nicht vorbeifuhr. Dort im Park haben sie uebrigens Baeume aus dem mittleren Osten gepflanzt, die sich in ihrem heissen trockenen Heimatklima so richtig wohlfuehlen, aber im schwuel-heissen Klima von Dongguan schwer leiden.


Waehrend unseren Wochenendes in Hefei besuchten wir das Gelaende gerade in dem Augenblick, als eine Wagenkolonne der lokalen Stadtregierung mit ihren Ehrengaesten vorbeifuhr. Dazu taugen diese "New-Towns" wenigstens, zum vorzeigen. Das scheint auch der einzige Zweck dieser Dinger zu sein. Warum ich so negativ darueber schreibe? Viele Gruende, Bauern verlieren ihr Land, die Staedte widersprechen allen einigermassen vernuenftigen Staedtebauprinzipien, zu Fuss ist man angeschmiert, uneffizienter Umgang mit Boden und anderen Ressourcen, Verschwendung, Bereicherung einiger Weniger... und es kann so weitergehen. Auch stoert mich, dass diese "New-Towns" mit der Zahnbuerste und Heerscharen von Pflegeteams gepflegt werden, waehrend die bestehenden Stadtzentren mehr oder weniger sich selbst ueberlassen werden. Die Stadtregierungen ziehen ja ueber kurz oder lang weg, dann ist's eh egal. Ich waere fuer eine Balance: Solide Stadtentwicklung und Pflege bestehender Gebiete, Neubaugebiete, wo sie notwendig sind und vorsichtiger Umgang mit Neulanderschliessung. Vorzeigeprojekte in diesem Massstab sind unnoetig.

Mein Kollege mit seiner Broschuere zeigte einen aehnlichen Inhalt in seiner Sammlung auf. Und er war ziemlich clever; er schickte die Broschuere an den Herrn Premierminister Wen Jiabao, der sich prompt hinsetzte und sehr gewissenhaft seine Kommentare dazu geschrieben hat. So gehts auch. Jetzt sind die New-Towns ein grosses Thema geworden.

Im Bild zu sehen Hefei,

das dort unten ist nicht etwa die Zufahrt zu einem Grossflughafen, sondern die Zufahrt zum kuenftigen Verwaltungsgebaeude der New-Town. Ausreichend grosszuegig dimensioniert sollte man meinen - da passt noch was rein.

 

Bilder: Google-Earth

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