|  2008-04-25
Von Falk Kagelmacher @ 11:05 Heute hatte ich wegen des schoenen Wetters das Fenster offen. Beinahe haette ich das Telefon ueberhoert. Von draussen kommt ein dermassen starker Laerm rein, dass ich fuer einen Augenblick dachte, wenn das so weitergeht, mit dem Laerm in meiner Wohnung, dann beschweren sich die Nachbarn bald bei mir. Mir ist dann schnell mein Knoten im Gedankengang klargeworden, und das war dann auch der Moment, als ich erst mal merkte, wie laut das da draussen in Peking geworden ist. Genau gegenueber von mir, am Arbeiterstadion ist ja diese tolle TV-Leinwand installiert worden. Waehrend der Spiele soll das Ding nach innen gedreht das Spiel verfolgen, nach den Spielen wird die Leinwand nach draussen gedreht und unterhaelt das Volk - oder haelt es vom denken ab, wie in meinem Fall. Was uebrigens meine Theorie untermauert, warum wir hier im Land einer solchen Laermkulisse unterworfen sind...
Kann sich noch einer erinnern, dass frueher, also etwa vor 6 Jahren, an jeder grossen Kreuzung diese grossen Tafeln standen, die in Dezibel den Verkehrslaerm anzeigten? Das waren noch Zeiten, weil es damals noch so zuging, dass man Laerm als Problem betrachtete -und dass es seinerzeit Ruhiger war. Ich weiss das, weil ich kuerzlich schalldichte Fenster hab installieren lassen (dieselben, die ich heute offen hatte). Als die Fenster frisch installiert wurden, bemerkte ich das lange nicht mehr gehoerte Geraeusch des Aufzuges, was im Laufe der Zeit vom umgebenden Laerm uebertoent wurde. Ich hab das ja nicht so mitbekommen, aber im direkten Vergleich mit meinen neuen Fenstern erinnerte ich mich an das Geraeusch, das ich frueher deutlich in der Wohnung hoerte. Ich hab die jetzt Fenster wieder zu. Aber was machen wir im Sommer, wenns draussen warm ist? Klimaanlage an statt Fenster auf, damit's nicht so laut ist??
2008-04-24
Von Falk Kagelmacher @ 02:51 In der Sanlitun-Barstrasse wird seit geraumer Zeit am neuen Shopping-Erlebnis gebastelt. Siehe meinen Beitrag vom September 07. Ein paar dieser Gebaeude sind nun fertig. Am einem anderen bin ich gestern abend vorbeigelaufen, und habs nun gar nicht mehr erkannt. Vor ein paar Monaten war es nicht schoen, so doch aber ganz interessant. Eine rostige Maschendraht-Fassade wurde durchstossen von echten Schiffscontainern, alles schoen in warmen Rostrot gehalten. Nicht wirklich elegant, aber eine witzige Idee.
Gestern war alles Rostrote verschwunden, und auch die Schiffscontainer sind verschwunden. Waren die nur temporaer drin, wurden sie in die neune Fassade integriert, oder hatte einer eine ganz neue Idee, und sie haben die ganze Hafenromatik doch ueber Bord geworfen? Mir scheint es, dass sie schon renovieren, bevor das Gebaeude ueberhaubt fertig ist...
Warum so lange warten, wenn man gleich damit anfangen kann, weil renoviert werden muss das Gebaeude ohnehin schon bald. Architektur ist nun mal nichts statisches hier in China. Das Gebaeude gleich neben diesem hier ist ja auch praktischerweise gleich nur mit orangenem Plastik bespannt, was den Fassadenwechsel wohl erleichtert.
Vorher:


Aktuell:


2008-04-23
Von Falk Kagelmacher @ 00:12 Vor einiger Zeit berichtete ich ueber eine ziemlich teure Baupleite in Peking (Link). Das Beijing Chateau stand nun einige Jahre leer. Es schien sich absolut nicht zu verkaufen, dabei hatte es der Projektentwickler so gut gemeint. Luxuswohnungen von 600 - 1200 qm, mit allem, was das Herz begehrt. Leider ging es an den Wuenschen der Kaeufer daneben, oder aber, es war zu frueh dran. Seinerzeit galt das Projekt mit etwa 30 000 RMB (~3000 Euro) pro Quadratmeter Kaufpreis als eines der teuersten in Peking. Dieser Preis ist momentan nicht mehr aussergewoehnlich in Peking. Nur eben, verkaufen liessen sich die Wohnungen auch ueber mehrere Jahre hinweg nicht. Es gab Versuche seitens des Projektentwicklers, dies Gebaeude in einen Bureauturm umzubauen, aber auch dies kam irgendwie nicht voran.
Nun sehe ich kuerzlich ein stadtbekanntes Logo oben auf dem Dach. Der Name Beijing Chateau ist ersetzt worden durch SOHO.
Ah ha.. Haben Herr Pan und seine Gattin Frau Zhang da in die gemeinsame Kasse gegriffen, und das Projekt kurzerhand uebernommen? Sozusagen im Ausverkauf? Moeglich ist es, SOHO China ist mittlerweile zu einer bekannten Marke geworden. Es kann schon sein, dass dies nun fuer die Kaeufer attraktiv werden kann. SOHO verspricht Life-Style und hohen Bekanntheitsgrad. Das Gebaeude ist seit dem Namenswechsel jedenfalls wieder gepflegt, die Scheiben sind geputzt, und innen sind alle Fenster durch die in China allgegenwaertigen farbig gestreiften Plastikplanen verhaengt. Ich kann mir Vorstellen, dass da drinnen grosse Umbaumassnahmen im Gange sind.
Derzeit scheint sich der Eigentumsmarkt in Peking mehr und mehr von der Realitaet entfernt zu haben. Die Kaufpreise gehen stark am Markt vorbei. Auch das Argument, dass Peking die Olympiastadt ist, kann die zu hohen Preise nicht rechtfertigen. Warten wirs ab, was SOHO aus dem Projekt macht.


2008-04-21
Von Falk Kagelmacher @ 04:29 Ich wohne genau gegenueber vom Arbeiterstadion in Peking, dem Gong Ren Ti Yu Chang, oder kurz Gong-Ti. Dem altehrwuerdigen Stadion, wo zur Olympiade die Viertel- und Halbfinale im Fussball ausgetragen werden. Das Stadion wurde 1959 fuer das 10-Jaehrige Jubilaeum der noch taufrischen Volksrepublik erbaut. Und steht heute noch, was keinesfalls selbstverstaendlich ist hier in Peking. Es ist sehr stabil, und hat sich in der Vergangenheit als ziemlich Wandlungsfaehig erwiesen. Hier kickt der Pekinger Hausverein, immerhin hier passen nun nach der Renovierung 71 000 Zuschauer rein, hier werden Open-Air Konzerte ausgetragen, hier kommen viele Pekinger zur Morgengymnastik her, und die Nachtclub-Szene hat das weitlaeufige Gelaende ebenfalls fuer sich entdeckt. Ich mag das Ding, hier konnte ich im vergangenen Jahr, bevor es wegen Umbau geschlossen wurde, morgens meine Runden drehen. Nun ist der Umbau abgeschlossen - das Stadion ist fast fertig fuer die Spiele. Ich hoffe, dass nach den Spielen das Arbeiterstadion den Pekingern wieder offen steht, und ich hoffe, dass es noch lange bewahrt wird.




Von Falk Kagelmacher @ 04:23 Ich hatte gerade die Gelegenheit, 2 der aktuellen Flughaefen von Norman Foster zu vergleichen: Peking Terminal 3, welches gerade fertiggestellt wurde und Hong Kong. Peking Terminal 3 gilt anscheindend als groesstes Terminal der Welt. Ich finde Hong Kong aber auch schon ganz beeindruckend. Meine gestoppte Zeit vom Gate 66 bis zum Gate 18, die beinahe groesste Distanz im Hong Konger Flughafen betrug gestern Nacht 14 min 37 sec. Mit moderatem Gegenverkehr und leichtem Handgepaeck. Diese Uebung laesst sich so in Peking nicht machen, weil das Terminal durch die Landebahnen in verschiedene Bereiche unterteilt ist, welche sich nur mit dem internen Zubringer-Zug erreichen lassen. Durch den aktuellen Taifun in Hong Kong am Wochendende verschob sich mein Abflug um 10 Stunden, sodass ich genug Zeit hatte, den Hong Konger Flughafen genau zu inspizieren. Das Farbkonzept im Hong Konger Flughafen ist ein bisschen einfacher gehalten, als das in Peking, die Stuetzen wirken schlanker, die Halle wirkt gut im Sonnenlicht zusammen mit Kunstlicht - der Foster kennt sich aus. Die nunmehr 10 Jahre Betrieb im Hong Konger Flughafen sieht man dem Gebaeude kaum an. Es wird gut in Schuss gehalten, und altert ganz gut.
Hier im Bild der Hong Konger Flughafen:

Das Pekinger Terminal 3 ist zuerst mal gross. Uns wurde bei der Abreise von Peking nach Hong Kong angeraten, 3 Stunden vor Abflug dazusein. Erst dachten wir, das liegt daran, dass das Terminal neu ist, und es sich erst noch einspielen muss, aber daran lags nicht. Das Einchecken ging schnell, die Sicherheitskontrolle war zuegig. Wenn auch sehr genau. Ich musste 3 Mal durch die Kontrolle. Meine Tasche wurde immer wieder beanstandet, bis sich am Ende die Tinte in der Tintenpatrone in meinem Tintenfueller, in meiner Computertasche als harmlos entpuppte. Ich habe die Patrone rausholen muessen, und eine Tintenprobe abgegeben, die wurde eingehend begutachtet und ich wurde durchgewunken. Was aber wirklich lange dauerte waren die Wegstrecken, die man zuruecklegenmuss. Wenn mein Abfluggate nur ein bisschen weiter weg gewesen waere, dann haette sich ein kleines Flugzeug als Zubringer gelohnt. Man ist einfach ne halbe Stunde unterwegs, um von der Sicherheitskontrolle zum Gate zu kommen. Ich war schneller von Zuhause am Flughafen, als von der Sicherheitskontrolle zum Gate. Die Innenansicht vom Dach ist gelungen diese grosse Halle sieht von innen lebhaft und gut aus, das Farbkonzept ist gut durchdacht. Leider hats reingeregnet heute morgen, als ich ankam. Im Detail gibt es doch noch ein paar kleine Maengel...
Hier ein paar Bilder vom Pekinger Terminal 3:





da regnets rein...
2008-04-13
Von Falk Kagelmacher @ 02:43 Vom Theater hinten dem CCTV-Headquarter aus fotographiert. Das Gebaeude ist schon ganz schoen gross geworden. Dies Gebaeude sieht von allen verschiedenen Seiten sehr unterschiedlich aus. Die Spiele naehern sich und die Fassade ist schon ziemlich weit gediehen. Es wird nicht fertig, aber es wird bis zum August schon ganz gut aussehen, finde ich.
 2008-04-12
Von Falk Kagelmacher @ 01:54 Ein Standardargument gegen alle moeglichen Probleme in China lautet, dass es zu viele Menschen gaebe. Staus, Umwelt, Energieverbrauch? Es gibt halt zuviele Menschen im Land... Aber donnerwetter, die Planer hier die haben die Loesung. Ich bin letztens durch den neuen Teil des CBD gefahren, dem Central Business Districts, und ich dachte mir, das stimmt doch was nicht?!
Ich habe keine Menschenseele auf der Strasse gesehen.
Irgendwie kriegen wir es doch immer hin. Belebte, bunte, kleinteilige innerstaedtische Stadtviertel werden abgerissen, mit Bureaus, einformigen Gebaeudefronten und gewaltigen Themen-Shoppingmalls neu aufgebaut, riesige Strassen dazwischen - fertig, die Gebaeude sind so gross, dass man mit einem Auto von einem zum naechsten fahren muesste. Alles ist sauber, neu und glatt... nur die Menschen fehlen. Immerhin, das ist eine Kunst in China!


2008-04-11
Von Falk Kagelmacher @ 01:46 Kuerzlich war ich in Tangshan eingeladen, in der Jury fuer einen Staedtebauwettbewerb teilzunehmen. 5 Teams praesentierten ihre Vorschlage fuer eine neue Stadt an der Kueste etwa 80 km von Tangshan entfernt. Dort soll eine Eco-City fuer 1.5 Millionen Menschen neu enstehen. Das Gebiet wird zur Zeit gepraegt durch Schrimp-Farmen und Salzabbaugebiete. Ein guter Teil des Gelaendes fuer die neue Stadt muss erst geschaffen werden, das Wettbewerbsgebiet schliesst auch das Flussdelta mehrerer Fluesse mit ein, das Land muss erst noch aufgeschuettet werden.
Vor einiger Zeit hat die Zentralregierung ueberlegt, wo eine Grossinvestition fuer eine neu geplante komplette Eco-City hinsoll. 2 Standorte standen zur Diskussion, Tangshan, welches 1976 durch ein Erdbeben voellig zerstoert wurde, oder Tianjin, nahe an Peking gelegen. Beide Staedte liegen nahe des Meeres, und sind bedeutende Industriezentren in der Provinz. Der Zuschlag fuer die Eco-City ging an Tianjin, wo nun mit Investitionen aus Singapur eine grosse Eco-City geplant wird. Tangshan ging leer aus. Aber nicht lange. Nun macht Tangshan seine eigene Eco-City. Und dies mit Riesenschritten. Tangshan besitzt einen Tiefwasserhafen, und bemerkenswerte Erdoelvorkommen. Geld ist also da. Ebenso der Wille, im Wettbewerb mit Tianjin die Nase vornezubehalten. Und das Wettbewerbsgelaende wird in Zukunft ein bedeutendes Ziel fuer die Touristen aus Peking. Es sind nur etwa 2 Stunden zu fahren von Peking, und eine der bekanntesten Badeorte, liegt gleich um die Ecke.
Dieser Begriff "Eco-City" hat jetzt schon das Potential zum meistgebrauchten Begriff des Jahres zu werden. Alles wird "ecologic" genannt, beim Projekt in Tianjin wird es aehnlich. Die Planer, die gerade daran sitzen, versuchen moeglichst Grundlegende "Eco-City" Systeme umzusetzen, aber in der Realitaet bleibt die Kritik, dass die Oekologie nur als Marketing-Faktor angewendet wird. Die Investoren haben ganz handfeste, kurzfristige Interessen.
Abschliessend des Treffens in Tangshan, als die Gewinner des Wettbewerbes feststanden, hielt ein Vertreter der Provinzregierung eine kleine Rede. Dieser Herr erstaunte die Jury. Er meinte, was er braeuchte Vorschlaege, die ueber das normale hinausgingen. Die gezeigten Beitraege seien zwar gut, aber sie wuerden nur konventionelle Loesungen zeigen - er wolle Visionen sehen... Der Wettbewerb geht nun in die 2. Stufe, ein paar neue Teams kommen hinzu, und werden im naechsten Monat ihre Ideen zeigen.
Planungsgebiet 225 Quadratkilometer
Baugebiet 150 Quadratkilometer





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