Farbenfroh

[ganz alltaeglich]

Meine kleine Fotostrecke im Beitrag eins weiter unten brachte mich auf etwas - die Bilder sind farblich ja eher etwas verwaschen und staubig. Dahinter steckt kein spezieller Photoshop-Filter, sondern einfach nur gute Pekinger Luft. Es scheint als ob einige Farben ganz einfach fehlen wuerden, und nur staubiges, bodenstaendiges Ockergelb uebriggeblieben ist. Gerade eben habe ich nochmals nach draussen fotografiert. Im Abstand von 5 Minuten ein paar Bilder geschossen - weil es naemlich ganz ploetzlich Dunkel wurde. Hier sieht man ganz schoen, wie sich innerhalb weniger Minuten der Himmel ueber Peking verfaerbt. Mannomann, Kollege Meyerhans aus Dubai, du hast da manchmal so blauen Himmel auf den Photos... gibts den dort wirklich?

 

Bild 1 bis 4 (von Links nach Rechts) aufgenommen heute Morgen zwischen 7:45 und 8 Uhr.

Morgensport

[ganz alltaeglich]

Der Arbeitsplatz in China hat eine andere Bedeutung fuer die Angestellten, als Beispielsweise in der Schweiz. Hierzulande liegt der Schwerpunkt des Privatlebens auf der Arbeit, nicht in der Zeit danach, oder davor. Mit der Arbeitstelle ist man ziemlich nahe verbunden. So versammeln sich ueblicherweise die Angestellten fruehmorgens zum Morgenappell, der erstaunlich militaerisch ablaeuft. Dabei wird geuebt, wie man den Kunden zackig begruesst, oder wie man sich in Formation verbeugt. Vor meinem Fenster zum Beispiel befindet sich eine Art chinesisches Freudenhaus. Auch hier treffen sich die Angestellten fruehmorgens zum Appell im Hof - der Puff gemeinsam am Marschieren. Ein Anblick den ich ungern verpasse...


Hier habe ich letztens die Belegschaft eines um die Ecke liegenden Restaurants fotografiert:

Das Team legt am Anfang recht gut vor, das Feld haengt zusammen. In der Nordkurve aber trennt sich die Spreu vom Weizen, Freudenschreie und Anfeuerungen erreichen mich bis hoch in meine Wohnung.
Als es in den Endspurt geht, loest sich das Feld auf. Als Nachteil erweisen sich bei hohen Geschwindigkeiten, die beinlangen Kleider der Tuersteherinnen, waehrend die Kellner mit kurzgeschnittenen Oberteilen durch mehr Bewegungsfreiheit klar im Vorteil sind. Am Ende siegt aber doch das 4er-Team der weiblichen Bedienungen - wahrscheinlich gestaerkt durch das harte Training mit ungeduldigen Restaurantbesuchern.

"Queuing Day"

[Bild der Woche]

Nur Auslaender stellen sich in China hinten an einer Schlange an - Einheimische stellen sich grundsaetzlich vorne an - klingt eingentlich logisch, oder?
Auch hier versucht die Regierung ihre Schaeflein zu politisch korrektem Benehmen aufzurufen. Eine landesweite Aktion zum "Queuing Day" auf deutsch: "Schlangestehen Tag" schafft nur langsame Veraenderungen in den Koepfen:

 

 

798 Update

[Kunst&Kultur]

Ergaenzung zum Artikel vom 22.3 - "Huang Rui muss Raus!"

Wie es der Zufall will, hatten wir gestern einen Termin mit einem Vertreter der Pekinger Stadtplanungsbehoerde. Der Herr meinte, dass seine Behoerde mit den Eigentuemern des Grundstueckes von 798 im Gespraech ist. Peking moechte die Anlage um 798 weitgehend beibehalten. Man habe erkannt, dass die Anlage mittlerweile eine Marke gebildet hat, und in ihrem Bestehen ein Teil des oeffentlichen Gutes geworden ist. Dies soll ueber die Privatinteressen des Eigentuemers gestellt werden.

Der Eigentuemer hat in vielen Punkten bereits eingelenkt, die Gespareche laufen noch.

Peking hat die Bedeutung von 798 als wichtig erkannt. In China gibt es einen feststehenden Begriff: "Creative Cultural Industry - CCI" oder den Ueberbegriff "Culture led Development", was soviel heisst wie "Entwicklung durch Kultur angeregt". Dass diese Gespraeche ueberhaubt im Gange sind, finde ich grossartig. Tatsaechlich scheint es eine Diskussion zu geben, oeffentliche Interessen ueber die Privatinteressen eines Projektentwicklers zu stellen - eine Tatsache, die es in den vergangenen Jahren nicht gab - es zaehlte Wachstum auf Teufel Komm raus...

798 hat die Aufmerksamkeit der Stadtregierung. Man kann weiterhin gespannt sein.

der Fruehling ist da!

[Bild der Woche]

Fruehlingsnebel - Peking Innenstadt. Morgens nicht allzu frueh.

Neues von 798 - Huang Rui muss raus!

[Kunst&Kultur]

Das Kuenstlerviertel 798 - Dashanzi in Peking (fuer Internetbesucher ausserhalb Chinas in der "Wikipedia" leicht nachzuschlagen) steht im Umbruch. Nach etwa 4 Jahren scheint der eigentliche Besitzer nun auch erkannt zu haben, dass da eine Menge Geld drin steckt, und dass diese Sache mit den verrueckten Kuenstlern gar nicht so verrueckt war. Nun zieht der Eigentuemer und Vermieter die Zuegel an. Im Pekinger Stadtblatt ist zu lesen, wie es mittlerweile zum offenen Konflikt mit dem Vermieter und den Kuenstlern kommt. Das geht soweit, dass einem der Grueder der "798-Idee" der Mietvertrag nicht mehr verlaengert wurde - Huang Rui muss raus. Ebenso darf Huang Rui den Namen seines recht erfolgreich etablierten Dashanzi International Art Festival (DIAF) nicht mehr verwenden.

Ich glaube der Vermieter will das Gelaende etwas schicker neu aufbauen - dazu wird Druck auf viele Kuenstler ausgeuebt. Das ganze Gebiet wird staerker kommerzialisiert werden, aufgeraeumt und geputzt - und totrenoviert. Kunstler die aber weiterhin fuer die Kunst schaffen wollen haben sich bereits eine Alternative ausgeguckt, ein Gegen-798 sozusagen: GBD was ein Gebiet um GaoBeiDian bezeichnet.

Der Masterplan ist schon fertig, Huang Rui hat schon Kooperationen mit Investoren und Firmen, und ein grosser Teil der Kunstler interessiert sich ebenfalls. Dort soll sich ein neues Kuensterviertel etablieren. Frei vom Kommerz und nur fuer die Kunst...

 

 

Nix genaues Weiss man nicht.

[ganz alltaeglich]

Vorgestern im Goose&Duck; eine Institution in Peking: diese Bar hat 24 Stunden am Tag fuer 7 Tage die Woche geoeffnet. Immer und durchgehend, gibt es Billard, Musik (Live und vom der Scheibe), Bier und gesunde Englische Pub-Kueche, zum Fruehstueck, zur Nacht, zum Tee.
Vorgestern also, im Gespraech mit dem Wirt, fragte ich ihn, was denn daran dran sei, dass diese Institution nun auch dem Fortschritt weichen muss. Er meinte, er haette auch davon gehoert, und er haette von den verantwortlichen Stellen auch schon einen Anruf bekommen, dass demnaechst der Bagger kommt. Aber anscheinend ist der genannte Termin verstrichen, und so ganz genau weiss er es eigentlich auch nicht, wann er denn nun raus muss. Ganz gelassen meinte er, dass es noch 1 bis 2 Wochen, vielleicht laenger dauern koenne. Also keine Eile mit dem Austrinken...
So ist es - Nix genaues Weiss man nicht, aber irgendwie gehts schon weiter. Und 1 bis 2 Wochen Vorankuendigung sind ja schon viel in diesem Land.

Ganz nah dran

[Architektur + Stadt]

Ich hatte den Verdacht, dass ich von meinem Fenster zuhause den CCTV-Tower von OMA sehen kann. Da waechst naemlich nun deutlich etwas an die Skyline heran, was aussieht wie das Traggeruest - siehe Photo:

 

Kurz gegoogelt habe ich die Wirklichkeit draussen mithilfe von Google-Earth ueberprueft. Wenn ich von Zuhause genau an der Kante vom Hochhaus gegenueber entlangpeile, komme ich mit der Sichtachse genau an der CCTV-Baustelle raus, 2.75 km entfernt:

 

Sturm und Drang

[ganz alltaeglich]


Der Fruehling kommt - und damit auch die Fruehlingsstuerme. Dieses Jahr hat der Sturm erhebliche Schaeden an den allerorts angebrachten ueberdimensionalen Werbetafeln angerichtet. Die Dinger werden ja andauernd groesser und groesser, aber stabiler werden sie nicht. Teile aus duennen Blechen segeln durch die Fruehlingswinde wie zarte Blaetter im Herbstwind - nur ein wenig gefaehrlicher. Das fuehrt natuerlich auch in der Presse zu Diskussionen ueber die Sicherheit der Aussenwerbung:



Ich habe beobachten muessen, wie ein Passant vor mir vom Sturm von den Beinen gerissen wurde, ich konnte mich tatsaechlich noch an einem Hochhaus festhalten, waehrend mir die Tasche mit meinem Lapttop um die Ohren flatterte.

Restaurantkritik: Jasmine

[Brandheiss]


Immer neue Wege geht man, um die Aufmerksamkeit der Gaeste zu erregen. Jasime, ein neues Restaurant mit Bar und Club, das sich da einiges hat einfallen lassen - muessen, weil einfach so drauf stossen tut man nicht. Nur durch Zufall und durch ueberklettern eines Zaunes standen wir naechtens tatsaechlich vor diesem Lokal. Schick entworfen von einem Hong Konger Designer - welcher denn nun, konnte man uns aber auf weitere Fragen nicht beantworten - ein Hong Konger eben. Der Manager lobt die Weinauswahl, ueber 160 feine Weine kann der Gast hier probieren. Ein geschickter Kellner besteigt nach der Bestellung das Weinregal und klettert mithilfe professionellem Klettergeschirrs in diesem Weinregal herum ... die Kueche beschreibt sich als "Innovative Chinese Cuisine". Die ganze Sache sieht ganz gut aus, Art-Deco Design mit vielen Terassen, die ueber den Park und den See am Arbeiterstadion hinwegsehen, sieht angenehm aus, fuer einen kleinen Drink am spaeten Nachmittag...
Jasmine - seit einem Monat eroeffnet
Arbeiterstadion Ost-Tor
- gleich hinter dem neuen SPA versteckt... oder hinter der ehemaligen Mongolischen Botschaft, wie viele Pekinger das alte Maggies auf Anspielung der dort angestellten Damen, genannt hatten.
www.beijingjasmine.com



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