|  2007-01-29
Von Falk Kagelmacher @ 02:07
Wir haben einen neuen Club im Dorf. Nicht dass wir hier so selten neue Clubs bekommen, jedes Wochenende kommt irgendwo ein neuer dazu, aber LAN ist schon was erwaehnenswertes. Die recht erfolgreiche Wirtin der "South Beauty Restaurants" hat den bekannten franzoesischen Designer Philipp Starck dazu gebracht hier mal so richtig in die Vollen zu greifen. Die Investition hat sich anscheinend gelohnt. Das ist auch einer der ersten Eindruecke den man hat, wenn man die Hallen betritt - gelungen, gross und teuer. Ich lese gerade dass die ganze Sache etwa 6000 Quadratmeter gross ist. Und diese 6000 qm sind bis in den letzten Winkel voll mit Herrn Starcks Handschrift. Alles, jeder Winkel, Wand, Boden, Decke - alles ist Voll. Mein Urteil? Nicht uebel. Wir sind, was das Essen angeht ohnehin sehr verwoehnt hier in China. Es gibt ausgezeichnete Kuechen hier. Der Lan Club bietet ganz ordentliche Kueche, ein bisschen ausgefallen und optisch sehr nett praesentiert. Asian Fusion. Ueberraschenderweise ist es nicht ganz so teuer, wie man es sich vorstellte, aber wir bewegen uns schon im oberen Segment. Der Service war gut, auch wenn etwas bemueht, mag daran liegen, dass der Laden erst kurz vorher aufgemacht hat, es wird schon. Wir waren mit einer Bekannten dort, die sich in der Pekinger Kunstszene bestens auskennt, sie sagte, dass die Wirtin einem der Kunstkollegen ein Kunstwerk fuer 20 Millionen RMB abgekauft hat - das sind 2 Millionen Euro. Wir haben versucht das Bild zu finden, aber wir fanden den Wald vor lauter Baeumen nicht.
Daily 11am-late. 4/F, LG Twin Towers, 12B Jianguomen Waidajie, Chaoyang District (5109 6012/13)
 2007-01-24
Von Falk Kagelmacher @ 06:36 Es hat mich dann doch mal interessiert was im Pekinger Leitungswasser ausser Wasser noch drin ist. Ich habe dazu eine Thermosflasche Leitungswasser eingefroren und mit nach Deutschland genommen, um es dort in einem staatlichen Labor untersuchen zu lassen. Das Ergebnis war enttaeuschend - nix drin was Spass macht. Kein Gift, kein Schwermetalll. Die Leute im Labor sagten, das Wasser sei trinkbar. Ganz anders als wir es uns vorstellten. Normalerweise gehen wir davon aus, dass es mehr Schwermetalle enthaelt als eine ordentliche Batterie und dass es mindestens im Dunkeln leuchtet. Keine Spur. Das Leitungswasser was bei mir im Haus aus dem Hahn kommt hat beinahe Mainzer Trinkwasserqualitaet - bisschen mehr Kalk, bisschen mehr Nitrat und bisschen Uran, aber alles innerhalb Deutscher Grenzwerte. Wer haette das gedacht? 2007-01-23
Von Falk Kagelmacher @ 00:59
Ich staune immer wieder ueber den kreativen Pragmatismus in diesem Land. Kollegin Anneke beschreibt die Niederlaender als ein aeusserst pfiffiges Voelkchen was in dieser Hinsicht grosses Leistet - die Chinesen stehen da nicht viel nach. Sozusagen sind die Chinesen die Niederlaender des Ostens...
So gucke ich immer mal wieder BTV - den Pekinger Haussender Beijing-TV. Hier wird abends zur Haubtverkehrszeit eine Show ausgetrahlt, die ebendiesen pekinger Strassenverkehr zum Thema hat. Hierzu werden Live-Bilder aus den Verkehrsueberwachungskameras eingespielt. Ein proper aussehender Polizist bespricht dann eventuell auftretende Unfaelle live, oft bevor die Polizei eintrifft. Mit Rotstift wird das ganze am Bildschirm diskutiert und erlaeurtert. Hier an einem Bild zu sehen, wird sogar ein hervorstehender Gullydeckel besprochen, der eine Gefahr fuer die Autos sein koennte. Ich bin also nicht der einzige, der immer wieder ueber dies Ding stolpert. Die Stadt Peking hat durch die massenweise installierten Verkehrsueberwachungskameras im letzten Jahr angeblich 500 Million RMB verdient, das sind so etwa 50 Millionen Euro. Ob dies inklusive der Fernsehrechte ist, kann ich nicht sagen...
 2007-01-16
Von Falk Kagelmacher @ 02:13  ... hab ich eigentlich schon mal davon erzaehlt, wie wir kuerzlich mal auf Touristenpfaden im Sueden waren? In der Provinz Anhui gibt es zwei kleine Doerfer in einem mehr oder weniger militaerischem Absperrgebiet, wo die chinesischen Filmfirmen gerne hingehen um dort ihre Filme zu drehen. Gegen Errichtung eines kleinen Geldbetrages erhielten wir Zugang zum Absperrgebiet, was uns somit die Moeglichkeit bot, Eintrittskarten zu dem besagten Doerfern zu loesen. Xidi und Hongcun - dort besichtigen wir die Originalfilmschauplaetze von "Crouching Tiger and Hidden Dragon". Wer diese Filme gesehen hat, kann sich an die Wunderbaren Bilder sicher erinnern.

Dazu eine kleine Geschichte, die mir mein Filmschaffender Freund erzaehlte: dem Regisseur ist ja die Natur nicht natuerlich genug, sodass bei Filmaufnahmen ein wenig nachgeholfen wird: in diesen kleinen Doerfern, immerhin Unesco-Welterbestaetten wurden kurzerhand Gebaeude umgebaut, Mauern errichtet oder abgerissen, Waelder werden angepinselt und nach ereignisreichen Wochen der Filmerei kann man die Doerfer hinterher nicht mehr wiedererkennen. Daraufhin hat sich unsere Regierung - die chinesische - eingeschaltet und einen Riegel vorgeschoben. In Zukunft ist das MOC (Ministry of Construction), mein Arbeitgeber also dafuer zustaendig, diese Denkmaeler zu schuetzen und den Eingriff der Filmfirmen zu kontrollieren.
In einem dieser Doerfer habe ich das erste mal gesehen, wie Seide gewonnen wird. Die Seidenraupen, die ich bis Dato nur gebraten kennengelernt hatte, werden ordentlich gefuettert, um dann zum Verpuppen in Papprahmen gesetzt, ihre beruehmte Seide spinnen koennen. Diese Seideneier werden dann von Hand aufgedroeselt, wobei man dann den Seidenfaden gewinnt - Tolle Sache.
 2007-01-14
Von Falk Kagelmacher @ 02:43 Nach den Neujahrsferien erhielten wir eine Nachricht unserer Hochparterre-International Administration. Wir waren fuer einen Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr nicht erreichbar. Ich hab das eben mal ganz locker auf das unschuldige Erdbeben vor Weihnachten in Taiwan geschoben. In Wirklichkeit aber lag es wohl tatsaechlich an einem Computerproblem innerhalb Hochparterre-International. Nun sind wir alle wieder erreichbar. Und wenn ich endlich diese elende Erkaeltung hinter mir habe, bin ich auch wieder fit. Ich hab kuerzlich im lokalen Fernsehen gesehen, dass ich mit meiner Erkaeltung nicht alleine bin. In einem Krankenhaus alleine, im Sino-Japanese Friendship Hospital in Peking haben sich pro Tag etwa 5000 Leute behandeln lassen. Die Leute sassen mit Infusionen im Korridor. Ich wollte mich dem nicht aussetzen, sodass ich es mit mir und der Erkaeltung zuhause ausgetragen habe - mit dem Ergebnis, dass es sich hinzieht. Aber seis drum, Peking wartet nicht auf mich...
Das hier lese ich in der Zeitung(Peoplesdaily vom 11.1. 2007):
Beijing flu on the back foot: experts
The number of people suffering from flu and colds will drop next week as the peak period for flu in Beijing draws to an end, experts said on Thursday.
"Beijing has been overwhelmed with flu and colds for the past three weeks but in theory the number of patients should drop in a week from now," experts with the Beijing municipal disease control center told Xinhua.
Beijing has seen a sharp rise in the flu patients since the New Year. Local hospitals are dealing with more than 4,700 patients with symptoms of flu each day, 58 percent being children under 15 and five percent senior citizens above 60 years of age.
Beijing municipal health authorities have called for close monitoring of people suffering from respiratory infectious diseases.
The number of flu patients in hospitals has been rising since December. The situation in north China, including Beijing and Tianjin, is more serious than in the south, said Mao Qunan, a ministry spokesman.
Mao said that China has entered the annual peak period for flu, but chances of a large-scale flu outbreak in the near future are low.
Source: Xinhua 2007-01-08
Von Falk Kagelmacher @ 01:26
Ich habe in vorigen Beitraegen ueber die Weihnachtsinflation hierzulande berichtet. Nun lese ich in verschiedenen Tageszeitung in China, dass sich ebenso einheimische Stimmen ueber ebendies inflationaere Weihnachtsgetue erheben. Im Hongkonger Morgenblatt sowie im Chinesischen Staatsorgan meldete sich eine eine Gruppe von jungen gebildeten Chinesen (angeblich Doktoratstudenten der ersten Universitaet) zu Wort: Weihnachten wird hierzulande ohne kulturelle Bezuege und ohne Nachdenken kopiert und uebertrieben. Das Weihnachtsfest habe in China keine Tradition, und solle somit nicht blind kopiert und uebernommen werden, sondern als ein Bestandteil einer auslaendischen Kultur betrachtet werden. Wichtig zwar, aber dennoch ohne Wurzeln in China. Die Kritik geht weniger an uns Auslaender, sondern ist deutlich an die eigenen Landsleute gerichtet, die Weihnachten zum Zwecke der Konsumfoerderung einsetzen. Die Studenten bestaerken das Problem: China hat waehrend der Kulturrevolution viel seiner eigenen Kultur eingebuesst. Es sei nun wichtig, eine eigene Identitaet aufzubauen. Dazu gehoere nicht, sich rote Muetzen aufzuziehen und "Djingle Bells" auswendig zu lernen.
Das Thema haengt in der Luft. China wird selbtsbewusster. Mit dem wachsenden Selbstbewusstsein erfolgt auch eine Rueckbesinnung auf eigene Traditionen, mit denen waehrend der Kulturrevolution gebrochen wurde. Die Folgen sind auch in meinem Arbeitsalltag deutlich zu spueren. Im Bereich Stadtebau und Architektur - mein taeglich Brot am chinesischen Bauministerium, sehe ich, dass allerorten westliche Baukultur kopiert wird. Venice-Town, Upper-East Side Appartments, Klein-Heidelberg, Chateau Laffitte .. so heissen moderne Projekte. Das Pekinger Stadtbild gleicht mehr und mehr einer post-modernen Hochhausmetropole, die ueberall auf der Welt rumstehen koennte. Ich ziehe zur Zeit mit einer Praesentation durchs Land, worin ich die Wichtigkeit eines nachhaltigen Urbanisierungsprozesses aufzeige, aber gleichzeitig eine Bewahrung der lokalen Kultur betone. Am Ende sind es naemlich Leute wie ich, die Verantwortung an diesem Verwestlichungsprozess mittragen, oder ihn eventuell sogar bestaerken. Meine Aufgabe am chinesischen Bauministerium ist es, die Planungsabteilung hinsichtlich eines nachhaltigen - westlichen? - Urbanisierungsprozesses zu beraten. Dies liegt im Interesse der Entwicklungshilfe oder der internationalen Wirtschaftsfoerderung. Aber manchmal denke ich, dass wir die Weisheit auch nicht gerade mit Loeffeln gefressen haben. Es ist unsere und meine Verantwortung, in diesem Entwicklungsprozess, so weit wie moeglich auf lokale Gegebenheiten einzugehen, ohne schulmeisterisch unsere westlichen Erkenntnisse zu implementieren. Die Kernproblematik ist klar: Energie, Ressourcen, Umwelt, ungesteuertes Wachstum ... aber die Loesungen liegen nicht in der Implementierung westlicher Ideen, sondern darin, westliche Ideen auf eine sinnvolle lokale Anwendung zu ueberpruefen, anzupassen, und dann erst als Unterstuetzung zu vorhandenen, lokalen Strategien einzusetzen. Das gilt fuer Staedtebau wie fuer Weihnachten. Prosit Neujahr!
Von Falk Kagelmacher @ 01:11 Vor Weihnachten hats um Taiwan herum gebebt. Staerke 6.7 auf der nach oben offenen Richterskala. Dort unten hats dermassen haftig geruckelt, dass der gesamte Datenverkehr in China und manchen benachbarten Laendern betroffen ist. Ich kam fuer ein paar Tage nicht mehr ins Netz der Netze, und bis heute (Pekingzeit Montag Morgen, 8.12 2007) ist das Netz immer noch spuerbar eingeschraenkt nutzbar. Heute ist der erste Tag, an dem ich dies Blog wieder erreichen kann - ich nehme mal an, dass es am Erdeben lag. Also ich bin ab heute wieder fuer Sie da... |