|  2006-09-29
Von Falk Kagelmacher @ 01:17 Da wird an einem Haus gebastelt, zugedeckt mit den gruenen Planen, und wenn die dann abgebaut werden gibts schon mal eine Ueberraschung...
Diese recht erstaunliche Fassade habe ich gestern im Vorueberfahren aus dem Auto gesehen. Mutig - und auf jeden Fall Aussergewoehnlich.
 2006-09-21
Von Falk Kagelmacher @ 02:32
Am Sonntag sind wir, einer kommunistisch-patriotischen Stimmung folgend, ins Militaermuseum gegangen. Habe ich schon mal erwaehnt, dass sich hier alles so schnell veraendert? Das Militaermuseum nicht. Ich bin dort Anno '93 das erste (und einzige Mal) gewesen. Damals mit meinem Kollegen Steffen Heizmann auf 5-woechiger China Tour. Das Museum hat sich ueberhaubt nicht veraendert. Ich haette mich nicht gewundert, doch noch unsere Fingerspuren von damals im Staub auf dem Panzern wiederzufinden. Das Museum hat aber Charme. Wirklich. Wo findet man schon sowas!? Erstmal ist das Gebaeude nicht schlecht. Ich glaube es wurde noch von den Russen gebaut, die, bevor der russische Kommunismus in China in Ungnade gefallen ist, die stadtbildpraegenden Prachtbauten gebaut hatten.
Damals noch, als ein Treppenhaus noch ein Treppenhaus war, und eine Eingangshalle noch eine Eingangshalle. Und damals, als die Mao-Statuen noch 5 Meter hoch waren, so hoch sind sie naemlich die Dinger dort. Die Ausstellungshalle ist vom feinsten - sowas baut heutzutage keiner mehr... Rakete in der Mitte und Fahnen und Sterne an der Seite. Aber wirklich schoen, die Halle. (siehe Fotos)
Und dann hab ich tatsaechlich eine Menge gelernt, naemlich zum Beispiel wie ein Hohlmantelgeschoss funktioniert. Sowas sagt einem ja sonst keiner, oder dass der U-2 Aufklaerer ein Duesenflugzeug mit Segeleigenschaften war. Es war ein rundherum unterhaltsamer Sonntag, lehrreich und kurzweilig.
Erstaunt war ich denn doch ueber den Zulauf im Museum; es war recht voll. Im Souvernierladen erstanden wir hochkonzentrierte, vakuumverpackte Soldatennotnahrung, die ich demnaechst mal als Knabbergeback testweise meinen Gaesten anbieten werde - es interessiert mich schon, was das Zeug hergibt.
Address: No. 9, Fuxing Road, Haidian District, Beijing.
Zip Code: 100038
Telephone: 0086-10-66817161
Opening time: 8:30 to 16: 00
Bus Route: Underground railway, and bus Nos. 1, 4 and etc, get off in the station of Military Museum.
Ticket: 20 yuan (~2 Euro) 2006-09-17
Von Falk Kagelmacher @ 02:50  Gestern Abend wurden wir eingeladen, an einer Musikauffuehrung des Militaers teilzunehmen.
Eine unserer Freundinnen war Taenzerin in dieser Militaertanzgruppe und konnte uns zur Vor-Premiere Karten besorgen; morgen werden unsere Landesfuehrer der Auffuehrung beiwohnen. Ich war der einzige Auslaender gestern. Die Auffuehrung ist so ganz anders, als das, ueber das ich so normalerweise berichte. Aber diese Art Auffuehrung ist ungeheuer beliebt hier und ist ein wichtiger kultureller Bestandteil vieler Menschen. Man sollte sich kein falsches Bild machen von den jungen Menschen. Viele davon stehen zwar mit einem Bein in der MTV-Welt, aber das was uns da gestern vorgefuehrt wurde hat ebenso seinen Platz hier. Ich kann nicht detailiert ueber die geschichtlichen Hintergruende schreiben, dazu weiss ich zuwenig. Der Inhalt des Stueckes gestern war aber hochpolitisch und zum Zwecke der Massenunterhaltung dementsprechend aufbereitet - was uebrigens bei MTV grundsaetzlich nicht anders ist. Dort wird auch mit viel Geschick ein Produkt unter die Leute gebracht.
Das Stueck beschreibt die Muehen, Plagen und die Errungenschaften des langen Marsches,
aus einer Sichtweise, die hier sehr gepflegt wird. Immerhin war es eine Militaerauffuehrung. Was ich also gestern genossen hatte, war kommunistische Unterhaltung vom Feinsten.
Es verhielt sich wohl so, dass der kommunistische Teil der Armee (unter Mao Zedong) um 1934 herum von der Gegenseite, den Guomindang (Chiang Kaishek) verfolgt wurde, und sich zurueckziehen musste. Der Rueckzug erstreckte sich ueber viele tausend Kilometer, dauerte ueber ein Jahr, und kostete zig-tausende Tote. Der "Lange Marsch" ist eine ernste Angelegenheit, die den Rahmen hier sprengt, aber interessant ist die Sache.
Die Auffuehrung gestern hatte starken Unterhaltungswert, laut war es, voll und bunt. Damit die Bildung nicht zu kurz kommt, wurde die Show auf Bildschirmen und durch eine Stimme aus dem Off begleitet. Eine stolze Anzahl beruehmter Saengerinnen und Saenger begleiteten die Auffuehrung.
Dieser freundliche Herr hier mit dem grossen Schiessgewehr, ist bekannt aus Funk und Fernsehen als Saenger und Mime. Eine der Darstellerinnen hat ironischerweise Auftrittverbot im chinesischen Fernsehen. Sie ist verstrickt in eine politische Affaere, die sie in grosse Schwierigkeiten brachte. Auf der Buehne darf sie wohl auftreten, so war gestern ihr erster oeffentlicher Auftritt seit Jahren, sie wurde vom Publikum begeistert empfangen.


Es war, wie man es sich vorstellt: das Buehnenbild wie kommunistische Propagandaplakate,
Leid, Muehen, Tragik und der Blick nach vorn, in eine Welt von morgen, die ohne
den Langen Marsch nicht moeglich waere. Es wurde besungen, wie man Schuhe, Guertel
und Gras gegessen hatte, wie neugeborene Kinder an die Bauern abgegeben wurden,
wie man sterbende Mitstreiter im Arm gehalten hat. Und es wurde deutlich besungen,
dass es die Geschichte war, die China dahingebracht hat, wo es heute steht.
Das Publikum war zufrieden. Ich habe die Auffuehrung genossen. 2006-09-15
Von Falk Kagelmacher @ 02:04 Heute vor einem Jahr starteten wir den Blog aus Peking. Viel ist passiert hier in der Zwischenzeit.
Ich moechte hiermit meinen Lesern danken. Ich erhalte hin und wieder freundliche und hilfreiche Kommentare, und ich sehe dass dies Blog fuer manche eine gute Gelegenheit geworden ist, mit mir in Peking Kontakt aufzunehmen.
Obendrein habe ich gewaltig Spass an der Sache. Dies Blog ist fuer mich zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Es bietet mir die Gelegenheit meinen Gedanken Luft zu machen, und es hilft mir hin und wieder, mein Leben in Peking aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wenn ich damit meinen Lesern auch noch lesenswertes bieten kann, dann haben wir doch mit dieser Plattform von Hochparterre ein sehr erfolgreiches und konstruktives Instrument geschaffen.
Seit der Einrichtung des Blogs koennen wir unsere Leserzahlen verfolgen. Dies gibt uns Autoren die Moeglichkeit, auf die Leser zu reagieren. Ich freue mich sehr, dass seit Einfuehrung ses Blogs die Zahlen stetig zugenommen haben. Ich bin sehr erstaunt, wieviele Leser wir hier haben.
Ich bedanke mich bei den Lesern, und ich moechte Ihnen die Moeglichkeit bieten, Themen vorzuschlagen. Wenn sie spezielle Fragen haben, oder mal ein Foto einer bestimmten Sache haben wollen, fragen Sie. Dies Blog lebt durch die Beteiligung.
- und schoenen Dank ans Hochparterre Team. Ich bin der Meinung, dass diese Blogplattform sehr erfolgreich geworden ist.
Falk Kagelmacher / Peking / Heute.

Von Falk Kagelmacher @ 00:51 Der chinesische Premier Wen Jiabao ist zur Zeit auf Deutschlandreise. 2 Themen hat Frau Merkel bei ihrem Besuch kuerzlich angemahnt: Produktpiraterie und Umweltschutz. Bei beiden Punkten musste Herr Wen Jiabao um noch ein wenig Zeit bitten. Er kann bei seinem Treffen mit der deutschen Kanzlerin keine grossen Fortschritte vorzeigen. Wir, die wir hier wohnen spueren aber Auswirkungen, die die beiden Themen angehen. Es wird ueberall in der Stadt verschoent und verbessert: Gruenanlagen werden gepflanzt, Parks werden angelegt und illegale DVD-Laeden machen zu, weil sie Schwierigkeiten haben Nachschub zu bekommen.
Beiden Bereichen ist leider eines gemeinsam. Die unternommenen Bemuehungen sehen zwar oberflaechlich betrachtet gut aus, sind aber weit davon entfernt, nachhaltige Massnahmen zu sein. China implemetiert eine Reihe von Umweltschutzgesetzen, aber die Umsetzung dieser Gesetze ist noch reichlich ungenuegend. Bei einer Pressekonferenz kuerzlich wurden die Umweltschaeden in China mit 10 % des Bruttosozialproduktes beziffert - 200 Milliarden US$ jaehrlich. Die Einfuehrung und Umsetzung von Umweltschutzgesetzen kommt nicht mit der Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher.
Ich habe kuerzlich aufgehoert, meinen Tee und Kaffe mit Leitungswasser zu kochen. Dazu benutze ich nun Mineralwasser aus der Flasche. Ich weiss zwar auch nicht was da drin ist, aber manchmal ist es wichtig einfach etwas zu tun. Betreffend der Luft kann ich nicht viel machen. Wenn ich nach 1 bis 2 Stunden Stau zuhause ankomme, riecht mein Anzug nach Abgasen und Russ - immer noch werden pro Tag alleine in Peking so um die 1000 PKWs neuzugelassen. Ich rauche nicht, aber ich glaube manchmal, meine Lunge kann sich unter Rauchern echt sehen lassen...
Link: Beitrag bei tagesschau.de
2006-09-12
Von Falk Kagelmacher @ 03:38 Architekturbiennale Peking 2006.
Vom 26. September bis zum 6. Oktober wird in Peking die Architekturbiennale 2006 stattfinden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, freiwillige Mithelfer koennen sich gerne bei der Leitung der Biennale melden. Das Thema der diesjaehrigen ABB lautet ein wenig holperig: “City and Architecture: Resources Efficiency and Environment Friendness”.
Als Veranstaltungsort wird unter anderem das Nationalmuseum am Platz des Himmlischen Friedens dienen. Die ABB wird die letzte Ausstellung vor dem Umbau sein, bevor der Wettbewerbsgewinn von GMP in die Tat umgesetzt wird. Fuer die Schweiz legt sich ein kleines Team vor Ort ins Zeug. Wie auch letzes Mal, hat die Schweiz die Gunst der Stunde erkannt, und nutzt die ABB06 als gute Gelegenheit sich darzustellen -bei der ABB04 war die Schweiz mit einer grossen Wanderausstellung "A Matter of Art" vertreten. Deutschland wurde seinerzeit allein vom Bureau KSP vetreten, die unter Anderem ihren Wettbewerbsgewinn des neuen Nationalbibliothek zeigten.
Die Organisation der diesjaehrigen ABB erreicht gerade eine kritische Phase: in 2 Wochen oeffnen sich die Tore; es gibt dementsprechend reichlich zu tun. Ein relativ kleines Team unter der Leitung von der ABB Generalsekretaerin Luo Li arbeitet zur Zeit Tag und Nacht an der Organisation und Umsetzung. Ich glaube es werden immer noch Beitraege fuer die unterschiedlichen Foren gesucht. Interessenten koennen sich beim Organisationsteam der ABB melden:
ABB2006 Secretariat
2F/6F China Architectural Culture Centre
13 Sanlihe Road, Beijing, China 100037
Tel: +86-10-88083799 88083953 88083782
Fax: +86-10-88083915
E-mail: luoli[at]abbeijing.com oder zhd[at]abbeijing.com
www.ABBeijing.com 2006-09-11
Von Falk Kagelmacher @ 02:09 Dieser Tage findet in Shanghai die Shanghai Biennale 2006 statt. Ich war noch nicht dort, aber ich erwarte Augenzeugenberichte einer Bekannten, die sich das angesehen hat. Das Thema klingt spannend - und zeitgenoessisch. Vielleicht weiss ja einer unserer Leser aus Shanghai etwas darueber zu berichten?
 2006-09-06
Von Falk Kagelmacher @ 08:41 Mit Crazy Stone hat der junge Autor und Regisseur Ning Hao einen Hit in China gelandet. Mit weniger als 400 000 US$ Produktionskosten zaehlt der Film eher zu den Low-Budget Filmen. Seit seinem Kinostart im Juni dieses Jahres spielte er aber das 10-fache davon ein. Damit hatte keiner gerechnet, am wenigsten die chinesische DVD-Piraterie. Waehrend der ersten Woche in den Kinos gab es keine illegalen DVDs davon zu kaufen. Der Film war den Schwarzkopierfirmen anscheinend zu bloede und zu unscheinbar. Ausserdem versteht eh keiner den Szichuan-Dialekt der in dem Film gesprochen wird. Nun wird der Film zum Knueller in China. Zitate aus dem Film haben es bereits in die Alltagssprache geschafft. Eine Szene mit einem BMW praegt den Ausspruch: "Bei Mo Wo", was schnell ausgesprochen wie BMW klingt, und passenderweise uebersetzt werden kann mit: Fass mich nicht an!
 Ich habe gestern in einem absolut vertrauenswuerdigen DVD Laden (Garantiert keine Schwarzware! Siehe Foto) den Film in der Auslage gesehen. Nicht dass ich auch nur ein Wort davon verstehe, der Film kommt in Szichuan Sprache, mit Mandarin Untertiteln, aber die Bilder sind deutlich, und die Handlung nicht uebermaessig kompliziert.
Der Film lehnt sich in der Erzaehlweise und in der Bildersprache sehr an den Film "Snatch" von Guy Ritchie an. Hin und wieder klaut er ganz unverfroren ein paar Szenen aus dem englischen Vorbild. Ich sehe es an eine Hommage and Guy Ritchie. Ich finde es ganz gelungen, wie der Schreiber und Regisseur, immerhin erst 28 Jahre alt, einen sehr unterhaltsamen Film geschaffen hat, wobei er ein wunderbares Bild von China zeichnet, welches fuer Auslaender, wie auch fuer Chinesen ansprechend ist. Herrlich diese Details, als Anschauung sehr zu Empfehlen - der Film uebertreibt kaum, was an Szenen aus den Toiletten, den Badehaeusern oder den Wohnungen gezeigt wird.

Filme wie "Hero", oder "Crouching Tiger Hidden Dragon" waren ausschliesslich fuer den auslaendischen Markt mit dem Oskar im Auge produziert, und hinterliessen beim chinesischen Publikum keinen grossen Eindruck. Crazy Stone spricht, mit viel Humor und Liebe zum Detail gleichermassen Chinesen wie Auslaender an. Das passiert selten.
Urteil: Empfehlenswert.
Crazy Stone Author/Director Ning Hao
China 2006
Von Falk Kagelmacher @ 03:26 Ich habe mir kuerzlich in Bangkok am Flughafen den Stern gekauft (~ 10 CHF). Mein erstes deutschsprachiges Magazin seit Monaten. Mir wird bei der Lektuere dieser Magazine erst wieder deutlich klar, wie gut es mir eigentlich geht hier in China. Werbetechnisch stehe ich zwischen den Stuehlen - im positiven Sinn: Ich bin ausserhalb der deutschsprachigen Werbeindustrie, und die chinesische ist nicht auf mich zugeschnitten, und ich verstehe sie eh nicht. Meiner Meinung ist das ein Luxus, den ich ziemlich hoch einschaetze. Wenn ich denn dann mal Lust auf Werbung habe, so hilft mir der Stern von kuerzlich weiter. Was sehe ich da auf vorderster Seite? Eine stuermische junge Frau kuesst einen unvorbereiteten jungen Mann - mit "Lust auf Leidenschaft". Wofuer wird geworben? Halbfettmargarine. Toll. Leidenschaft pur! Margarine, halbfett... mannomann... 2006-09-04
Von Falk Kagelmacher @ 03:12 Wer erkennt den Herrn mit dem ich haendeschuettle? Den mit den Sossenflecken...
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