Um manche Architekturprojekte wird viel Wind gemacht. Ist ja auch wichtig. Ein Bureau hat mich aber im letzten Jahr positiv ueberrascht, weil die nicht viel reden, sondern einfach bauen - und dies mit sehr beachtlichem Erfolg. Baumschlager & Eberle hat ein Wohnhochhaus Projekt fertiggestellt, MOMA, welches in kurzer Zeit zu einem Verkaufsschlager wurde. Dieses Projekt wurde mit deutlich geringeren Baukosten erstellt, als durchschnittlich ueblich, und es wird zu einem deutlich hoeherem Preis verkauft. Es scheint, dass die Rechnung des chinesischen Projektentwicklers aufgegangen ist. Vernuenftige Planung, hochwertige Auststattung, effizientes Energiesystem und Qualitaet zahlt sich aus. Da mich dies Projekt neugierig gemacht hat, habe ich das Bureau Baumschlager & Eberle in Peking besucht und mich mit dem Projektleiter Herr Andreas Thomczyk unterhalten.
Frage: Was macht den Erfolg von Baumschlager & Eberle mit MOMA aus?
Antwort:
Man habe in der engen Zusammenarbeit mit dem chinesischen Projektentwickler ein erfolgreiche Strategie entwickelt. Mit solider guter Planung, auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst, kann man hohe Qualitaet umsetzen und trotzdem guenstig Bauen. Schon beim Entwickeln der Details, zum Beispiel muss sich der Architekt klar darueber werden, was auf der Baustelle dann tatsaechlich moeglich ist - es gibt hier keine gelernten Handwerker. Baumschlager & Eberle arbeitet ausserdem eng mit GMI, einem vorarlberger Haustechnikbureau zusammen. Man teilt sich die gemeinsamen Raeumlichkeiten - welche uebrigens sehr angenehm grosszuegig sind.
Der Schluessel zum anfaenglichen Erfolg liegt ganz sicher in der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Projektentwickler. Der hat erkannt, dass sich Qualitaet als Marketing-Tool benutzen laesst. Aus dem erfolgreichen Projekt MOMA haben sich eine Reihe neuerer Projekte ergeben. MOMA ist ein gutes Beispiel fuer sehr urbanes Wohnen - mitten in der Stadt, im neuen Verkehrszentrum von Peking. Dongzhimen Traffic Hub. Diese Gegend liegt im engeren Innenstadtbereich, und ist durch den neuen Verkehrsknotenpunkt direkt mit dem Flughafen verbunden. Das neuere Projekt am Stadtrand, Shandi-MOMA, wird zeigen, ob sich der Erfolg auch dort umsetzen laesst. Dort wurde heute Samstag den 3.12 2005 der Verkaufspavillon eroeffnet. Der Architekt war anwesend. (siehe Bilder)
Ein weiteres Wohnprojekt am aeusseren Stadtrand im Nord-Osten von Peking ist gerade in Planung. Hier will der Auftraggeber ein System von individuellen Erdwaermeheizungen anbieten.
Dies finde ich ziemlich beachtlich, weil in der Regel die Auftraggeber die hoeheren Initialkosten vermeiden um Gewinn zu maximieren. Hier scheint Baumschlager & Eberle einen guten Partner gefunden zu haben, der auch mal was ausprobieren moechte. Grundsaetzlich ist Ressourcenschonen und Energiesparen ein grosses Thema hier, aber so richtig mal ausprobieren will dann doch keiner. Bei diesem Auftraggeber scheint es zu klappen.
Nun hoffe ich darauf, dass der ganz normale chinesische Marktmechanismus greift, und die Idee mit Qualitaet und Energiesparkonzepten fleissig kopiert wird.
Ich bin gespannt wie es weitergeht. Bleiben Sie dran.



