Designer-Baustelle

[Architektur + Stadt]
Designer-Baustelle
Das Stichwort Baustellenmarketing beschreibt ein Phaenomen, welches, wenn es nicht schon existieren wuerde, jetzt und hier erfunden werden muesste. Hiesige Projektentwickler geraten schon mal ins nachbarschaftliche Kreuzfeuer, wenn grossflaechig Wohnbestand abgerissen wird, und dafuer ein schickes blockueberspannendes Bureau-Gebaeude gebaut wird. Um dem zu begegnen, lassen sich die Firmen einiges einfallen, um die ehemaligen Bewohner dieser Gegenden und die kuenftigen Mieter positiv einzustimmen. Jetzt werden Bauzaeune designed. Die Dinger schirmen einerseits die Baustelle schoen ab, und andererseits bringen sie viel Geld, weil Werbeflaeche. Bei manchen Projekten werden eigens auslaendische Kuenstler eingeladen, um den gesamten Bauprozess kuenstlerisch projektbegleitend zu kommunizieren. Gelungenes Beispiel Xingfucun, aus meiner unmittelbarer Nachbarschaft. Als Klassiker gelten aber in Peking weiterhin SOHO und APPLE (Pingod), wo der Verkaufspavillon mittlerweile als erfolgreiche Galerie genutzt wird (Web-Seite nur auf chinesisch).

Designer-Bauzaun

Peking Biennale

[Kunst&Kultur]
Die 2. Internationale Pekinger Biennale hat gestern die Tore geschlossen. Anscheinend war es die groesste Kunstausstellung ueberhaubt in China, hier ist ja immer alles gleich so gross. Nur so gross war er nicht, der Ansturm. Die sonstigen Aktivitaeten der Stadt liessen sich nicht weiter von der Biennale mit dem schmissigen Titel "Zeitgenoessische Kunst im Hinblick auf Humanismus" stoeren. Etwa 500 Ausstellungsstuecke, der Fokus lag auf Malerei und Bildhauerei, aus 50 Laendern wurden im National Art Museum of China und in einigen anderen bedeutenden Orten in Peking ausgestellt.

So richtig akut wurde es aber, als die Kuenstlergruppe in der Factory 798 eine Gegen-Biennale eroeffnete, und so manche Leute sich erst dann darueber klar wurden, dass es ja auch eine Biennale dazu geben muss. Diese Aktion brachte noch mal einen gehoerigen Besucherschub auch in die "offizielle" Biennale. Das mag wohl damit zusammenhaengen, dass dem kritischen, interessierten Publikum die Biennale zu konventionell erschien.

Link: Fotos zur Biennale

Biennale-798

Geschaeftsreise in China

[ganz alltaeglich]
Eigentlich wollte ich heute ueber Cui Kai berichten, einen der herausragenden Achitekten in Peking. Aber aus aktuellem Anlass schreibe ich ueber eine Geschaeftsreise. Montag Morgen 6 Uhr ging es per PKW von Peking nach Weifang / Provinz Shandong ca. 700 km Entfernung. Zweck der Reise ist es, den bestehenden Kontakt zu unseren Kunden zu pflegen. Das Autobahnnetz in China ist bei weitem nicht vollstaendig, aber die Stuecke, die fertig sind, befinden sich in ziemlich gutem Zustand. Es ist fast heimischer Standart, bis auf die paar Gelegenheiten, wo ein Bauer auf dem Standstreifen seinen Mais trocknet, oder jemand im Gruenstreifen schlaeft. In Weifang wurden wir an der Stadtgrenze von unseren Kunden abgeholt. (Gaeste werden gerne an einem markanten Ort abgeholt, und wieder hingebracht; mit diesen Gesten macht sich der westliche Geschaeftsmann sehr viele Freunde in China).
Zum gemeinsamen Abendessen wird der Auslaender besonders behandelt. Ich bin mittlerweile viel gereist in China - solche Gelegenheiten stellen kein Problem mehr dar. Ein paar spezielle Gerichte, sauer eingelegte Krebse, fritierte Heuschrecken, verdaechtig aussehende Innereien schmecken gut, wenn man offen ist. Ein groesseres Problem stellt das Trinken dar. Hier wird sehr gerne schnell und viel getrunken; und zwar nicht nur Bier sondern Schnaps. Und da verstehen die Kollegen keinen Spass. Diejenigen in einer chinesischen Frima, die Kundenkontakt haben, zeichnen sich durch starke Trinkfestigkeit aus, die sie bei Geschaeftsessen unter Beweis stellen wollen. Tipps und Tricks dem zu entgehen gibt es einige. Aber mit Grashuepfern als Grundlage vertraegt man einiges... Meiner Meinung nach gilt es eine Balance zu finden. Ich koennte natuerlich ablehnen, aber in China werden Geschaefte nicht auf Vertragsbasis gemacht, sondern auf einer persoenlichen Basis. Zusammen trinken bedeutet, dass man zusammen etwas durchsteht. Aber auch der Abend ging unbeschadet vorueber - Zum Glueck endete er nicht wie sonst gerne bei Karaoke.

Kurzes Wort zu Weifang:
Weifang ist fuer chinesische Verhaeltnisse eine kleine Stadt mit etwa 1 Mio. Einwohnern in der Provinz Shandong, zwischen der Provinzhauptstadt Jinan und Kuestenstadt Qingdao gelegen - die mit dem europaeischen Stadtbild. Zur Wirtschaftsfoerderung und zum Zwecke des Stadtmarketings, hat die chinesische Regierung einen neuen Plan entwickelt: 14 fuehrende Regierungsmitglieder treten als Paten fuer kleine und mittlere Staedte auf, um dort die Entwicklung anzutreiben. Fuer Weifang ist der Chinesische Praesident Hu Jintao verantwortlich. Weifang liegt im geographischen Zentrum der Provinz, und soll als Motor fuer die weitere Umgebung dienen. Grundsaetzlich machte die Stadt einen sehr positiven, optimistischen Eindruck. Man hofft auf auslaendische Kooperationen. Weifang ist in China bisher fuer sein jaehrliches Drachen-Festival bekannt nun sucht man zusaetzliche Perspektiven.
Praktische Wirtschaftsfoerderung und Stadtmarketing - gefaellt mir.


Abendessen


Konferenz-Zentrum in WeifangStadtbild Weifang

Kuenstlicher Regen - die Dritte...

[ganz alltaeglich]
Bericht aus einem aktuellen Pekinger Magazin: Kuenstlicher Regen leichtgemacht.

Wolkenklau in China

[ganz alltaeglich]
Ich habe einen Kommentar zum Thema Regenmachen bekommen, auf den ich gern kurz oeffentlich antworten will. Die Geschichte zum kuenstlichen Regen ist wahr - kein Aprilscherz.Ich bin mir immer nicht sicher, ob ich diese Regenmacher-Sache gut oder traurig finden soll. Immerhin sagen Leute hier, dass es besser ist, wenn die Wolken sich ueberm Land abregnen, als ueberm Wasser. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass solche Eingriffe keine Folgen tragen. Eine Folge ist, die Geschichte des Wolkenklaus. Regionen in China, die in Windrichtung liegen, lassen sich kuenstlich beregnen, waehrend die dahinterliegenden Regionen nun keinen Regen mehr abbekommen - und nun verstaendlicherweise sauer sind.

Kompaktappartment und Beijing Chateaux

[Architektur + Stadt]
Neulich im Lift habe ich die Werbung eines neues Wohnhochhauses fotografiert. Im Vergleich zu Hong Kong, wo ich schon in noch kompakteren Appartments gewohnt hatte, ist das gar nicht so schlecht (Bsp. Hong Kong: 1 Kagelmacher lang, 0.8 Kagelmacher breit. Ergibt 3.42 qm Netto - Inklusive Fensterbank bin ich, laut Mietvertrag auf 5.5 qm gekommen).
Siehe auch: Hong Kong Pencil Towers

Immerhin misst dieses Appartment hier satte 8.60 m mal 3.60 m. Bemerkenswert ist, meiner Meinung nach die Bandbreite der angeboteten Appartments in Peking:

Das Architekturbureau GMP hat in Peking ein Wohngebaeude im Bau, Beijing Châteaux, dessen kleinste Wohneinheit fast 600 qm misst, die groesseren Einheiten messen ueber 1100 qm Wohnflaeche. Die Preise im Vergleich liegen bei etwa 400 Euro pro Quadratmeter Kaufpreis beim Kompaktappartment, und bei angestrebten 3000 Euro pro Quadratmeter beim Wohngebaeude von GMP - wie man hoert.

Kahlschlag

[Architektur + Stadt]
Sanlitun - Ortszeit Peking. Im Umkreis von einem Kilometer finde ich, laut Kneipenfuehrer 250 Restaurants und Bars. Diese Gegend ist ueber die letzten Jahre zum Zentrum der unterhaltungssuchenden Gesellschaft geworden. Nun wird grossflaechig renoviert. Ich bewundere die Kreativitaet, mit der sich die Betreiber und Bewohner dieses Viertels anpassen koennen. Im Sommer hat ein aelterer Herr, um dessen Wohnung herum gleich mehrere neue Bars eroeffnet wurden, die Strasse mit Steinbloecken gesperrt, wohlgemerkt eine oeffentliche Strasse, um den wachsenden Verkehr umzuleiten. Die um die Ecke befindliche Polizeiwache faehrt halt neuerdings aussenrum - kein Problem. Wie lange die letzten noch existierenden Gebaeude noch stehenbleiben weiss so genau keiner. Wahrscheinlich aber handelt es sich eher um Wochen, als um Monate. Trotzdem erscheinen taeglich neue temporaere Bars und Kioske. Es wird das letzte aus dem Viertel herausgeholt, bevor es renoviert wird. Denn eines ist bereits klar: die momentanen Bewohner werden sich die Mieten in Zukunft hier nicht mehr leisten koennen. Und ambitionierte Kneipenbesucher werden sich in Zukunft nicht mehr so billig auf der Strasse mit dem notwendigen Wegproviant versorgen koennen.
Ein paar Bewohner hatten kuerzlich eine Kunstaktion durchgefuehrt -Destruction- um eben genau darauf hinzuweisen, dass viel gewachsenes verlorengehen wird. Ich hatte mit dem Projektentwickler dieser Gegend kuerzlich ein Interview gefuehrt, um mehr darueber zu erfahren. Er wird diese Gegend mit niedriggeschossigen Zeilenbebauungen aeusserlich an den Bestand anlehnen (siehe Bild), aber er zielt auf eine zahlungskraeftige Klientel, mit den dementsprechenden Marken und Geschaeften. Es wird ein Kneipen- und Vergnuegungsviertel nach Shanghaier Vorbild - chic und teuer. Aber es gibt da durchaus einige sehr interessante Gebaeude, welche einen Einblick in die momentane Architekturentwicklung geben. Darueber demnaechst mehr.